Zurück, vorwärts, überallhin
«Der Schnee fällt nicht hinauf | sondern nimmt seinen Lauf | hinab und bleibt hier liegen, | noch nie ist er gestiegen», reimte der Schweizer Schriftsteller Robert Walser in einem vierstrophigen Gedicht. Manchmal, wie jetzt am Theater Basel, fällt der Schnee aber dann doch auch von unten nach oben. Fliegt auf Diagonalen. Stürmt himmelwärts. Tanzt wild auf der Stelle, in dichten Clustern. Schweres, «süßes Weiß», das schließlich im Kreis verwirbelt. Und im Dunkel verschwindet. Blackout.
Schluss mit den Spiegelfechtereien, Schluss mit dem fadenscheinigen Spiel, «das ist vorüber», singt Schneewittchen am Ende der siebenteiligen «Schneewittchen»-Oper des Schweizer Komponisten Heinz Holliger. «Begleitet alle uns hinein», ruft sie mit körperlosem Ausdruck ihren Mitspielern zu – der Königin und dem Prinzen, dem König und dem Jäger. Doch wo liegt dieses «hinein»? Niemand weiß es. Ein letzter, aschfahler Aufschrei ist das, der bis zum dreigestrichenen d hinaufführt – zum höchsten Ton dieses raffinierten, schelmisch-ernsten, farbenflimmernden Sprach- und Klangmosaiks über ein Märchen über Märchen. Exakt zwei Oktaven tiefer hatte alles begonnen, auf einem seltsam fernen, von allen fünf Solisten ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Man kennt das schon, jede Premiere eine Zitterpartie. Spielen sie noch oder streiken sie schon? Schon die Saisoneröffnung an der hoch verschuldeten Opera di Roma mit Verdis «Ernani» unter Riccardo Muti war im vergangenen November akut gefährdet, weil die Gewerkschaften mit einem Ausstand gedroht hatten. Im Dezember 2013 bekam das Haus einen externen Kommissar...
«... wird aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn». Immer wieder stammelt er die Worte, windet sich, als wolle er sie abschütteln, spuckt sie aus, keucht, zuckt. Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was...
Jubilare
Die Altistin Hertha Töpper erhielt zunächst Geigen- und Gesangsunterricht, bevor sie nach einem Gesangsstudium am Landeskonservatorium ihrer Heimatstadt Graz 1945 als Ulrica im «Maskenball» an der Grazer Oper debütierte. Für die ersten Bayreuther Festspiele nach dem Krieg wurde sie 1951 u. a. als Siegrune und Floßhilde engagiert. 1952 trat Hertha Töpper...
