Zurück, vorwärts, überallhin

Heinz Holliger küsst am Theater Basel sein «Schneewittchen» wach. Achim Freyer malt dazu Traumbildschleifen

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«Der Schnee fällt nicht hinauf | sondern nimmt seinen Lauf | hinab und bleibt hier liegen, | noch nie ist er gestiegen», reimte der Schweizer Schriftsteller Robert Walser in einem vierstrophigen Gedicht. Manchmal, wie jetzt am Theater Basel, fällt der Schnee aber dann doch auch von unten nach oben. Fliegt auf Diagonalen. Stürmt himmelwärts. Tanzt wild auf der Stelle, in dichten Clustern. Schweres, «süßes Weiß», das schließlich im Kreis verwirbelt. Und im Dunkel verschwindet. Blackout.



Schluss mit den Spiegelfechtereien, Schluss mit dem fadenscheinigen Spiel, «das ist vorüber», singt Schneewittchen am Ende der siebenteiligen «Schneewittchen»-Oper des Schweizer Komponisten Heinz Holliger. «Begleitet alle uns hinein», ruft sie mit körperlosem Ausdruck ihren Mitspielern zu – der Königin und dem Prinzen, dem König und dem Jäger. Doch wo liegt dieses «hinein»? Niemand weiß es. Ein letzter, aschfahler Aufschrei ist das, der bis zum dreigestrichenen d hinaufführt – zum höchsten Ton dieses raffinierten, schelmisch-ernsten, farbenflimmernden Sprach- und Klangmosaiks über ein Märchen über Märchen. Exakt zwei Oktaven tiefer hatte alles begonnen, auf einem seltsam fernen, von allen fünf Solisten ...

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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

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