«Zur Not auch als Kasperl-Komödie»
«Ihre Art entspricht so sehr der meinen, wir sind füreinander geboren und werden sicher Schönes zusammen leisten, wenn Sie mir treu bleiben …» Dieses schrieb nicht etwa, errötend, ein Jüngling seiner Angebeteten ins Stammbuch. Sondern ein pragmatischer, als hemdsärmelig geltender Komponist, von Thomas Manns Adrian Leverkühn als «begabter Kegelbruder» bezeichnet, im Brief an einen Dichter von höchst empfindlichem Nervenkostüm – Richard Strauss an Hugo von Hofmannsthal.
Ob Intuition oder Berechnung, der Kegelbruder sollte Recht behalten: «Viel Schönes» entstand aus ihrer (in der Praxis nicht immer harmonischen) Zusammenarbeit, die 1906 mit der Oper «Elektra» begann.
Allzu Schönes, befand wiederum der Wiener Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel, den als Strauss-Freund zu bezeichnen allerdings auch ein Euphemismus wäre. In seinem Bändchen «Apropos Musik» (Zürich 1965) stellt er fest, dass mit «Elektra» und der Kooperation Strauss/Hofmannsthal ein «säkulares europäisches Malheur» begonnen habe: «Es setzt in der zweiten Hälfte der
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Traumpaare, Seite 71
von Gerhard Persché
Im Unterschied zu Europa nimmt Russland die Zahl der an Corona Erkrankten und der Todesfälle nicht zur Kenntnis. Die Theater spielen schon lange wieder vor halb besetzten Häusern, und die Zuschauerinnen und Zuschauer tragen schon lange keine Masken mehr, ohne sich dafür zu schämen.
Während des Lockdowns waren die Streamingangebote für die Opernfans die größte...
Sein Ruhm wird nur durch ein Stück begründet: «Samson et Dalila». Doch das 100. Todesjahr von Camille Saint-Saëns, der als Sechsundachtzigjähriger am 16. Dezember 1921 in Algier starb, hätte auch in deutschen Landen ein Jahr der musikalischen und szenischen Neuerprobung einiger seiner anderen, fast vergessenen Opern werden sollen und können: «Déjanire» (konzertant)...
Angenommen, eine normale Saison wäre das gewesen, wobei: Was heißt das schon? Und trotzdem, ohne das C-Wort, ohne Politikerinnen und Politiker, denen Fußball und Friseure näher liegen als die Kultur, verpanzert im Schwarz-Weiß-Denken zwischen Zusperren und Totalerlaubnis, ohne dies alles hätten es folgende Ereignisse auch nach oben in die «OW»-Umfrage geschafft....
