Zimperliche Janitscharen
Über die Türken herrschten in Wien anno 1800 glücklicherweise nur Vorurteile. Es war der edle Prinz Eugen, der Österreich die Urteile erspart hatte. Um zu erfahren, was eine orientalische Despotie tatsächlich bedeutete, schlägt man heute am besten Romane von Géza Gárdonyi und Mór Jókai auf oder – besondere Nervenstärke vorausgesetzt – von Ivo Andrić.
In Ungarn und Kroatien blieben die Taten der Tyrannen über Jahrhunderte in Erinnerung. Das westliche Europa hatte nur einen blassen Schimmer davon.
Man ergötzte sich an der Janitscharenmusik, die Lully und Rameau, Gluck, Haydn und Mozart aufgriffen, ja sogar noch Beethoven und Spohr pflegten. Wenn jetzt die Staatskapelle Berlin mit einer geradezu zimperlichen Version dieses ursprünglich kriegerischen Idioms aufwartet, liegt der Verdacht eines pazifistischen Korrektivs nahe: dass nämlich die Armeen des Sultans vielleicht nicht gar so furchtbar gewesen seien wie häufig geschildert – und die Zustände am Bosporus eher human und poetisch. Mozarts Aufseher Osmin spricht freilich eine andere, von Lustmord-Phantasien durchsetzte Sprache. Die gilt es folglich zu bagatellisieren, und dafür ist Bülent Ceylan zuständig. Der Comedian aus Mannheim ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 68
von Volker Tarnow
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine...
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