Zeitgenossenschaft
Schon Hölderlins Hyperion ahnte es: Der Mensch ist eine beunruhigend prekäre Einrichtung der Natur, etwas, «das, wie ein Chaos gärt, oder modert, wie ein fauler Baum, und nie zu einer Reife gedeiht». Ähnlich kritisch sieht dies auch Golem XIV, jener Supercomputer, dem der polnische Science fiction-Autor Stanisław Lem 1973 ein intelligent-funkelndes literarisches Denkmal setzte.
Evolutionär betrachtet, erscheint ihm (dem Vertreter einer höheren und objektiven Vernunft) der Homo sapiens sapiens als ein Wesen, das sich, trotz allen Fortschritts, dauerhaft eher auf dem Weg bergabwärts befindet. Warum? Weil sein Streben und Sehnen mit der zusehends defizitären Fähigkeit korreliert, die Dinge der Welt in den Griff zu bekommen. Keine schöne Aussicht, richtet man den Blick nach vorn. Aber eine, über die sich trefflich sinnieren lässt, auch auf der Bühne.
Die Gruppe Kommando Himmelfahrt und der Komponist Kaj Duncan David unternahmen mit ihrem elektronischen Musiktheater «Also sprach Golem» beim diesjährigen Festival «Ultraschall» nun den Versuch, dem Phänomen der schwindenden humanen Erhellung und damit einhergehenden Dominanz künstlicher Intelligenz auf die Spur zu kommen. Regisseur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jürgen Otten
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar...
Uraufgeführt wurde die fünfte Oper des irischen Komponisten Gerald Barry 2016 in Los Angeles konzertant; im selben Jahr kam sie ans Londoner Barbican Center. Das Royal Opera House präsentierte «Alice’s Adventures Under Ground» nun erstmals szenisch, mehrmals täglich und in wechselnder Besetzung, beginnend mit Matineen an Londoner Schulen: eine vorzügliche Idee für...
Franz Mazura liebte das Leben, und das Leben liebte ihn. Als das vor Gdingen auf Reede liegende U-Boot-Begleitschiff, auf dem der Matrose Wache schob, im Dezember 1944 von einem Torpedo getroffen wurde, innerhalb von acht Minuten sank und Mazura in der eiseskalten Ostsee trieb, hatte er das Glück, mit einem Kameraden ein aus Rettungsringen gebildetes Floß zu...
