Zeitgenossenschaft

Starke Frauen, muntere Diversität und ein etwas blutleeres elektronisches Musiktheater – das ist «Ultraschall» 2020

Opernwelt - Logo

Schon Hölderlins Hyperion ahnte es: Der Mensch ist eine beunruhigend prekäre Einrichtung der Natur, etwas, «das, wie ein Chaos gärt, oder modert, wie ein fauler Baum, und nie zu einer Reife gedeiht». Ähnlich kritisch sieht dies auch Golem XIV, jener Supercomputer, dem der polnische Science fiction-Autor Stanisław Lem 1973 ein intelligent-funkelndes literarisches Denkmal setzte.

Evolutionär betrachtet, erscheint ihm (dem Vertreter einer höheren und objektiven Vernunft) der Homo sapiens sapiens als ein Wesen, das sich, trotz allen Fortschritts, dauerhaft eher auf dem Weg bergabwärts befindet. Warum? Weil sein Streben und Sehnen mit der zusehends defizitären Fähigkeit korreliert, die Dinge der Welt in den Griff zu bekommen. Keine schöne Aussicht, richtet man den Blick nach vorn. Aber eine, über die sich trefflich sinnieren lässt, auch auf der Bühne.

Die Gruppe Kommando Himmelfahrt und der Komponist Kaj Duncan David unternahmen mit ihrem elektronischen Musiktheater «Also sprach Golem» beim diesjährigen Festival «Ultraschall» nun den Versuch, dem Phänomen der schwindenden humanen Erhellung und damit einhergehenden Dominanz künstlicher Intelligenz auf die Spur zu kommen. Regisseur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Kräftig ausgestopft

Die letzte Operette der Weimarer Republik – der Werbeslogan ist so richtig wie der Versuch, das erst verbotene und dann verschollene Stück endlich im Repertoire zu verankern. Die Berliner Uraufführung hatte unter Mitwirkung Richard Taubers am 20. Januar 1933 stattgefunden, nur wenige Tage darauf waren die Beteiligten ihres Lebens nicht mehr sicher. Tauber, Jaromír...

Blutige Kolonialgeschichte

Warum Franz Schrekers letzte Oper eines Tages den Weg auf den Spielplan belgischer Bühnen finden musste, erklärt schon der Titel: «Der Schmied von Gent». Die Opera Vlaanderen hat das Werk jetzt an ihren Spielstätten in Antwerpen und Gent herausgebracht – mit einem drastischen Bezug auf ein dunkles Kapitel der Geschichte Belgiens. Freilich schwimmt die flämische...

Was kommt... März 2020

Le lab
Zum Glück arbeiten sie nicht nur im Denklabor. Sondern meist auf der Bühne. An Brüssels La Monnaie Oper inszenieren die Regisseure Jean-Philippe Clarac und Olivier Deloeuil nun unter dem Titel «Trilogia» Mozarts drei Da Ponte-Opern in einem Rutsch. Wir sind dabei

Ivan Repušić
Seine Karriere begann in Split, an der Kroatischen Nationaloper. Dort erwarb er...