Blutige Kolonialgeschichte
Warum Franz Schrekers letzte Oper eines Tages den Weg auf den Spielplan belgischer Bühnen finden musste, erklärt schon der Titel: «Der Schmied von Gent». Die Opera Vlaanderen hat das Werk jetzt an ihren Spielstätten in Antwerpen und Gent herausgebracht – mit einem drastischen Bezug auf ein dunkles Kapitel der Geschichte Belgiens. Freilich schwimmt die flämische Oper so zugleich auf der Welle der Wiederentdeckungen wenig gespielter oder unbekannter Stücke des Musiktheaters mit.
Wer den rauschhaften, fast süchtig machenden Sound der «Gezeichneten» kennt, Schrekers bekanntester Oper, muss sich im «Schmied» an eine sprödere, aus höchst unterschiedlichen Stilelementen und Formen gemixte Klangwelt gewöhnen.
Eingängig, leicht verständlich sollte die «große Zauberoper» (wie Schreker sie nannte) sein, die neben schwungvollen Tänzen, Spottliedern und dröhnender Marschmusik auch hochartifizielle musikalische Gebilde wie Fuge oder Zwölftonreihe sowie feinsinnige Tonmalereien in revueartiger Abfolge enthält. Groteske Fagott-Soli, hymnische Fernchöre und viele kleine musikalische Späße würzen das musikalische Geschehen, das sich in den Orchesterzwischenspielen zu ausgedehnten Schwelgereien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Josef Oehrlein
Irgendwann an diesem Abend durchfliegt einen der Gedanke an Beethovens «Eroica». Und die Frage, wie viele Musiker wirklich nötig sind, um dieses symphonische Schlüsselwerk angemessen zu interpretieren. Während heute bis zu 80 Musiker auf dem Konzertpodium sitzen, waren es bei der Uraufführung der Symphonie anno 1803 im Palais des Fürsten Lobkowitz gerade einmal...
Kaum zu glauben, dass diese Oper so spannend, so berührend wirken würde. Mit seiner Opernreform hat Christoph Willibald Gluck Geschichte geschrieben, von seinen 50 Opern werden aber nur noch wenige gespielt – jene «edle Einfachheit», die Gluck propagiert hatte, wurde rasch zum Ausgangspunkt neuer Entwicklungen und trägt heute Züge des Verstaubten. Allein, das muss...
Die Bach-Forschung weiß viel, doch kann sie nicht alles wissen. Selbst ein eminenter Kenner wie Christoph Wolf, der langjährige Leiter des Leipziger Bach-Archivs, räumt ein: Wie weit Bachs Interesse am Amt des Dresdner Hofkapellmeisters wirklich ging, ob er eine Chance gehabt hätte, sogar übergesiedelt wäre, und vor allem, ob er dann statt Motetten, Kantaten,...
