Blutige Kolonialgeschichte

Ersan Mondtag verlegt Franz Schrekers «Schmied von Gent» an der Opera Vlaanderen in den von Belgien ausgeplünderten Kongo; der neue Musikchef Alejo Pérez entlockt den klanglichen Mixturen maximale Transparenz

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Warum Franz Schrekers letzte Oper eines Tages den Weg auf den Spielplan belgischer Bühnen finden musste, erklärt schon der Titel: «Der Schmied von Gent». Die Opera Vlaanderen hat das Werk jetzt an ihren Spielstätten in Antwerpen und Gent herausgebracht – mit einem drastischen Bezug auf ein dunkles Kapitel der Geschichte Belgiens. Freilich schwimmt die flämische Oper so zugleich auf der Welle der Wiederentdeckungen wenig gespielter oder unbekannter Stücke des Musiktheaters mit.

Wer den rauschhaften, fast süchtig machenden Sound der «Gezeichneten» kennt, Schrekers bekanntester Oper, muss sich im «Schmied» an eine sprödere, aus höchst unterschiedlichen Stilelementen und Formen gemixte Klangwelt gewöhnen.

Eingängig, leicht verständlich sollte die «große Zauberoper» (wie Schreker sie nannte) sein, die neben schwungvollen Tänzen, Spottliedern und dröhnender Marschmusik auch hochartifizielle musikalische Gebilde wie Fuge oder Zwölftonreihe sowie feinsinnige Tonmalereien in revueartiger Abfolge enthält. Groteske Fagott-Soli, hymnische Fernchöre und viele kleine musikalische Späße würzen das musikalische Geschehen, das sich in den Orchesterzwischenspielen zu ausgedehnten Schwelgereien ...

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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Josef Oehrlein

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