Zeit zum Umdenken
Während dieser Zeit der Pandemie habe ich, wie einige andere darstellende Künstler, verschiedene Phasen durchlaufen. Zunächst eine tatenlose Depression darüber, plötzlich aus dem künstlerischen Leben gerissen zu sein, über all die abgesagten, metikulös vorbereiteten, zum Teil fertiggeprobten Projekte. Einige sind unwiederbringlich verloren, andere auf unbestimmte Zeit verschoben. Manchmal auf Termine, die schon blockiert sind. Und ständig ist da diese Ungewissheit, ob bestehende Verträge ihre Gültigkeit behalten, auch in Zukunft noch gelten.
Dann durchlief ich eine Phase der Hyperaktivität mit Streams, Balkonkonzerten für meine Nachbarn, Interviews, Posts in den sozialen Medien, ich habe neue Programme geplant, zwei Alben eingespielt, eine dritte Aufnahme steht kurz bevor. Schließlich begann ich zu verstehen, dass die Zeit des geringeren Drucks heilsam für die Stimme, ja das gesamte Wohlbefinden sein kann.
In Berlin, meiner Heimatstadt, konnte man ja im Freien einiges unternehmen, aufs Land fahren, einzelne Freunde zu intensiven Gesprächen treffen, bei einem Spaziergang auf Distanz. Man konnte sich auch Essen oder Kaffee selbst besorgen, zum Mitnehmen. Dafür bin ich sehr dankbar. ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 38
von Anna Prohaska
Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf die ich nicht...
«Parsifal» ist Wagners letztes Musikdrama, dem Untertitel nach ein «Bühnenweihfestspiel». Das ominöse Wort lässt sich in heutige Sprache übertragen: Es bezeichnet die spezifische Einheit von Aufführung, Spielstätte und Handlung, auf die es Wagner ankam, und die er auf vielfältige Weise mit Ritualen durchsetzte. Zwischen «Parsifal» und den Bayreuther Festspielen...
Zu Beginn zeichnen die Streicher ein unschuldiges Bibelidyll. Alessandro Stradella legt in der einleitenden Sinfonia seiner frühbarocken Vertonung des «Salome»-Stoffes gleichsam eine falsche Fährte. Schließlich steht bei ihm zunächst ja nicht – wie gut zwei Jahrhunderte später bei Richard Strauss – die im Markus-Evangelium namenlose Tochter der Herodias und deren...
