Zeit zum Umdenken
Während dieser Zeit der Pandemie habe ich, wie einige andere darstellende Künstler, verschiedene Phasen durchlaufen. Zunächst eine tatenlose Depression darüber, plötzlich aus dem künstlerischen Leben gerissen zu sein, über all die abgesagten, metikulös vorbereiteten, zum Teil fertiggeprobten Projekte. Einige sind unwiederbringlich verloren, andere auf unbestimmte Zeit verschoben. Manchmal auf Termine, die schon blockiert sind. Und ständig ist da diese Ungewissheit, ob bestehende Verträge ihre Gültigkeit behalten, auch in Zukunft noch gelten.
Dann durchlief ich eine Phase der Hyperaktivität mit Streams, Balkonkonzerten für meine Nachbarn, Interviews, Posts in den sozialen Medien, ich habe neue Programme geplant, zwei Alben eingespielt, eine dritte Aufnahme steht kurz bevor. Schließlich begann ich zu verstehen, dass die Zeit des geringeren Drucks heilsam für die Stimme, ja das gesamte Wohlbefinden sein kann.
In Berlin, meiner Heimatstadt, konnte man ja im Freien einiges unternehmen, aufs Land fahren, einzelne Freunde zu intensiven Gesprächen treffen, bei einem Spaziergang auf Distanz. Man konnte sich auch Essen oder Kaffee selbst besorgen, zum Mitnehmen. Dafür bin ich sehr dankbar. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 38
von Anna Prohaska
Es glich dem «Lied überm Staub danach», rief Ingeborg Bachmann, Österreichs Zauberin des lyrischen Wortes, einer zerbrochenen Liebe nach. Gemeint war das Schauspiel «Jedermann» ihres Landsmanns Hugo von Hofmannsthal, das, zuvor in Berlin von der Kritik verrissenen, am 22. August 1920 über den Salzburger Domplatz schallte. Ein schlichtes Gastspiel aus der Hauptstadt...
Die Oper hat Felix Mendelssohn Bartholdy ein Leben lang beschäftigt. Schon als Kind entwarf er Szenen, die Fragment blieben, aber einen erstaunlich sicheren Umgang mit Stilspezifika des Musiktheaters zeigen. Der Plan einer Lorelei-Oper mit Emanuel Geibel war fortgeschritten und reichte bis in die letzte Lebensmonate. Das Ziel einer großen deutschen Oper hat...
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...
