Wo die Akazie blüht

Joanna Klisowska und Katarzyna Neugebauer interpretieren Lieder von Mieczysław Weinberg

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Persönlich getroffen haben sie sich nie. Doch das war vermutlich auch gar nicht nötig – die Verse des einen waren für den anderen Inspiration genug. Und so musste Mieczysław Weinberg nicht lange überlegen (und auch nicht lange suchen – die in Frage kommenden lyrischen Werke standen in seiner Bibliothek), als er 1940 seine ersten, einer unbekannten Schönheit gewidmeten Lieder komponierte. Julian Tuwim erschien ihm unzweifelhaft als der richtige Dichter dafür.

In diesen auffällig kurzen, auf gleichsam ostinatem Boden wandelnden Stücken findet sich jedenfalls jener melancholisch-elegische Grundton, den Weinberg im Grunde ein ganzes Komponistenleben lang pflegte – wie wir wissen, mit gutem Grund.

«Akacje» (Akazie) heißt der sechsteilige Zyklus, und es wohnt ihm sowohl eine atmosphärische Dichte und Klangfarbenpracht als auch schon jener aphoristisch-zugespitzte, rhapsodische Geist inne, wie er uns später in den Bühnenwerken des polnisch-jüdischen Komponisten entgegentritt. In der edlen wie gefühlvollen Interpretation von Joanna Klisowska und ihrer Klavierbegleiterin Katarzyna Neugebauer vermag sich diese Ambivalenz schön zu entfalten. Besonders gut gelingt das sechste und letzte Lied ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 65
von Olga Myschkina

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