Wo die Akazie blüht
Persönlich getroffen haben sie sich nie. Doch das war vermutlich auch gar nicht nötig – die Verse des einen waren für den anderen Inspiration genug. Und so musste Mieczysław Weinberg nicht lange überlegen (und auch nicht lange suchen – die in Frage kommenden lyrischen Werke standen in seiner Bibliothek), als er 1940 seine ersten, einer unbekannten Schönheit gewidmeten Lieder komponierte. Julian Tuwim erschien ihm unzweifelhaft als der richtige Dichter dafür.
In diesen auffällig kurzen, auf gleichsam ostinatem Boden wandelnden Stücken findet sich jedenfalls jener melancholisch-elegische Grundton, den Weinberg im Grunde ein ganzes Komponistenleben lang pflegte – wie wir wissen, mit gutem Grund.
«Akacje» (Akazie) heißt der sechsteilige Zyklus, und es wohnt ihm sowohl eine atmosphärische Dichte und Klangfarbenpracht als auch schon jener aphoristisch-zugespitzte, rhapsodische Geist inne, wie er uns später in den Bühnenwerken des polnisch-jüdischen Komponisten entgegentritt. In der edlen wie gefühlvollen Interpretation von Joanna Klisowska und ihrer Klavierbegleiterin Katarzyna Neugebauer vermag sich diese Ambivalenz schön zu entfalten. Besonders gut gelingt das sechste und letzte Lied ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 65
von Olga Myschkina
Etwas ist anders als sonst. Etwas, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt, aber in vielen Momenten spürbar wird, mal in einem vertraulichen Gespräch, mal beim Gang in eines der Theater der Stadt, mal in dem Augenblick, wenn sich der Vorhang hebt. Und mal einfach so: Der Chef fehlt. Und damit Hirn, Herz und Seele des Festivals d’Aix-en-Provence. Pierre...
Angesichts der rassistischen Einwanderungspolitik von Donald Trump hält Regisseur Till Kleine-Möller Bernsteins «West Side Story» von 1957 für brandaktuell. Das Motto «Black Lives Matter» ist jedenfall ganz offensichtlich durch die aus Puerto Rico eingewanderten «Sharks» in schwarzen Lettern auf eine Plastikplane an einem Nachbau des Bethesda-Brunnens im New Yorker...
Das Schöne an sorgfältig geführten Archiven ist, dass man noch Jahrzehnte nach einer Aufführung seine Erinnerung auffrischen kann – und weil die Wiener Staatsoper über ein solches Archiv verfügt, ist es ein Leichtes, noch einmal jenen Septemberabend des Jahres 1998 heraufzubeschwören, als sich im Haus am Ring der Vorhang zu Georges Bizets «Carmen» hob, in einer...
