Wir sind uns nicht böse
Am Ende, als die Bravo- und Buhsalven aus dem Zuschauerraum prasselten, gab Essens GMD und Opernchef Stefan Soltesz dem Regisseur nicht nur die Hand, er umarmte ihn auch nicht jovial, sondern er machte gehorsamst einen Diener. Ja, es ist ein Coup, dass Hans Neuenfels in Essen inszeniert, wo er doch schon vor Jahrzehnten Theatergeschichte geschrieben hat in Frankfurt und Berlin. Und dann auch noch seinen erst zweiten Wagner (nach hintersinnig heimatbewussten «Meistersingern» in Stuttgart). Eine lebende Legende, der Mann.
2010 darf Neuenfels auf dem Grünen Hügel (Katharina macht’s möglich) debütieren: mit «Lohengrin». Vorher noch kommt «Parsifal» in Basel. Eine Wagner-Schwemme geradezu in späten Jahren, wo doch einst Verdi, der große Realist, von Neuenfels, dem großen Surrealisten, viel profitiert hatte.
Genauso gut hätte der Regisseur freilich vor dem Dirigenten einen Diener machen können. Denn was Soltesz mit seinem Orchester bot, war nicht nur von großstädtischem Format, sondern besser als das, was man in Sachen Wagner zuletzt in Hamburg oder München zu hören bekommen hatte. Schlank und federnd kommt die Dresdner Fassung des «Tannhäuser» im Aalto-Theater daher, keineswegs ...
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Zu den stärksten Operneindrücken meiner Schulzeit gehört die legendäre Münchner «Traviata» von 1965, in der an der Seite von Fritz Wunderlich und Hermann Prey eine junge Kanadierin griechischer Herkunft ihren Einstand gab, die in Deutschland bis dahin noch niemand kannte: Teresa Stratas. Sie war das Traumbild einer Kameliendame, ganz femme fragile, tief...
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...
Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...
