Wir sind gemeint
Grimmig war Mark-Anthony Turnage angesichts manch harscher Kritiken zu seinem letzten Musiktheater «Coraline»: Er müsse ja keine Opern mehr schreiben, wenn sie auf so wenig Gegenliebe stießen. Nun denn, Turnage schuf dann doch ein neues Werk, mit Spannung erwartet und mit erheblichem Aufwand nun uraufgeführt an der Royal Opera Covent Garden. «Festen», ein Film des Dogma-Regisseurs Thomas Vinterberg aus dem Jahr 1998, wurde durch eine starke Story, den Einsatz einer Handkamera, lange Einstellungen sowie den Fokus auf scheinbar Nebensächliches Kult.
Unzählige Schauspielbearbeitungen folgten, jetzt die Oper. Librettist Lee Hall hielt sich eng an die Vorlage, fügte aber eine Prise Humor ein und glättete einige dramaturgische Brechungen, die im Film mehr Sinn ergeben als auf der Theaterbühne.
Die Handlung ist so simpel wie wirkungsvoll: Helge feiert seinen 60. Geburtstag, Sohn Christian hält eine entlarvende Rede, in der er aufdeckt, dass sowohl seine Schwester als auch er selbst von ihrem Vater missbraucht wurden, woraufhin die Schwester sich das Leben nahm. Der Schock der Enthüllungen führt nur begrenzt zur Solidarität der Partygesellschaft mit dem Ankläger: Christian wird sogar ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jörn Florian Fuchs
Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus...
Der 17. Juni 1949 war einer jener Tage, den wohl keine Sängerin, die je die Rolle der druidischen Priesterin verkörpert hat, wird vergessen können. An diesem mild-warmen Sommertag stand im Teatro Colón zu Buenos Aires die (Musik)Welt für einen Moment still, atemlos staunend. An der Seite von Fedora Barbieri, Mario del Monaco und Giulio Neri sang Maria Callas die...
Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...
