Wir arme Leut'

Endlich erschienen: Gerd Kührs kongeniale Oper «Stallerhof»

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Auf dem Stallerhof nachts um halb eins. Zwei Menschen treffen einander, im gegenseitigen Begehren. Nur sollten sie das, was sie tun, lieber nicht tun; der liebe Gott hat die Unkeuschheit behördlich untersagt und im sechsten seiner zehn Gebote unter strenge Strafe gestellt.

Doch was tun, wenn das Verlangen größer ist als die Vernunft? Also geschieht seinesgleichen, und das hat sowohl für den Mann, den Hofknecht Sepp, als auch für die wesentlich jüngere Frau, des Hofherrn geistig eingeschränkte Tochter Beppi, erhebliche Konsequenzen – zumindest in Franz-Xaver Kroetz’ Theaterstück «Stallerhof», einer spracharm-sprachmächtigen Abrechnung mit dem katholischen Glauben und, mehr noch, jener verlogen-frömmelnden Bigotterie, die zuweilen darin wohnt.

Gerd Kühr hat das Schauspiel von Kroetz in den Jahren 1986/87 zur Vorlage für seine gleichnamige (pausenlose) Oper in drei Akten gewählt, die betrüblicherweise bald nach der Uraufführung 1988 bei der ersten Münchener Musikbiennale (die, wenig Wunder, unter der Ägide des Kühr-Lehrers Hans Werner Henze stattfand) in den Regalen verschwand. «Stallerhof» erging es wie so vielen zeitgenössischen Bühnenwerken, die, kaum in der Opernwelt angelangt, ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 41
von Jan Verheyen

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