Mitleid wäre ein Verbrechen
Es ist leicht, sich über diese Inszenierung lustig zu machen. Leider ist es auch unvermeidlich. Ideologischer Unsinn prägt seit Jahrzehnten das deutsche Theater, aber was Cottbus mit diesem frühen Verdi anbietet, übertrifft die gängigen Muster bei Weitem, insofern Irrsinn als Steigerung von Unsinn betrachtet werden kann.
Abigaille ist zweifellos die wichtigste, interessanteste Person in diesem biblischen Musikdrama, sie ist es auch am Staatstheater Cottbus.
Regisseur Armin Petras denkt sie sich, wie er im Programmheft verrät, als «eine Art Ursula von der Leyen, mit Zügen von Alice Weidel und Maria Callas». Tatiana Trenogina spielt dieses Monster als ständig besoffene, auf den höchsten Stilettos der östlichen Hemisphäre durch Schnee glitschende Domina, als abgetakelte Nutte, halb Zorro, halb Mephisto. Das Gegenmodell heißt Fenena: eine harmlose Agnetha Fältskog im ebenfalls rotlichtfähigen Discodress, nur eben besser bei Stimme. Gesungen wird sie von Luzia Tietze, seit Kurzem Ensemblemitglied in Cottbus und wahrscheinlich nur auf der Durchreise zu größeren Häusern. Andreas Jäpel wiederum ist in der Niederlausitz fast zuhause, hat hier im Laufe von 25 Jahren alle wichtigen Partien ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Volker Tarnow
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