Wiegenlieder der Welt
Der «Montag» in Karlheinz Stockhausens siebentägiger Mythenphantasmagorie «Licht» beginnt unter Wasser: Im Foyer des Aufführungsorts werden die Hörer in grünes Licht getaucht, während endlos gedehnte Bassetthornklänge und Wassergeräusche auf sie eindringen. «Grünliche Dämmerung» schreibt auch Richard Wagner für den Unterwasserbeginn seines ebenfalls mythomanen, wenn auch glücklicherweise nur viertägigen «Ring» vor, nachdem die Musik, aus dem uranfänglichen tiefen Es erwachsend, ins Fließen und Strömen geraten ist.
Hat Stockhausen sich etwa bei Wagner bedient, dem er öffentlich so gern seine Verachtung, ja sein Desinteresse aussprach?
Wahrscheinlicher ist, dass einfach beide Komponisten hier auf einen Topos zurückgreifen, der sich in vielen Schöpfungsmythen aus aller Welt findet und zum kollektiven Unbewussten der Menschheit zu gehören scheint: die Geburt der Welt aus dem Wasser – jedenfalls, wenn man dem Musikwissenschaftler und –philosophen Leopoldo Siano folgt. «So wie es kosmogonische Archetypen gibt, existieren auch musikalische Archetypen, die das Schöpfungsereignis beschwören beziehungsweise akustisch inszenieren», lautet die These seines Buchs «Musica Cosmogonica», das ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 39
von Michael Stallknecht
alpha
04.07. – 21:45 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2015
11.07. – 21:45 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2016
18. und 25.07. – 21:45 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2017 (Teil 1 und 2)
arte
04.07. – 17:20 Uhr
Messiaen: Quatuor pour la fin du temps
S: Pierre-Laurent Aimard (Klavier), Jean-Guihen Queyras (Violoncello), Isabelle Faust (Violine), Jörg Widmann (Klarinette)
05.07. –...
Seit fast drei Jahrzehnten steht die Sopranistin Sandrine Piau im Rampenlicht. Zusammen mit Véronique Gens verkörpert sie die Wiederkehr jenes typisch französischen Gesangsstils, der Virtuosität mit Lyrik, Eleganz mit Tiefgang, nicht zuletzt verbale Nuancierung mit vokaler Differenzierung verbindet und mit Ninon Vallin und Suzanne Danco dahingegangen schien. Wie...
Frau Glojnarić, in Ihrer jüngsten Komposition #artefacts, die im Dezember vom «WDR» aufgezeichnet wurde, widmen Sie sich der Nostalgie. Ist das nicht ein plattgetretenes Thema?
Nun, in den 1970er-Jahren war Nostalgie wie der Tritonus im Barock: Sich damit auseinanderzusetzen, mit allem, was an das «bürgerliche Erbe» erinnert hat, ging gar nicht. Das hat sich sehr...
