Wieder im Kommen?
Zwei Außenseiter, ohne Zweifel. Der eine, Ermanno Wolf-Ferrari, hin und her gerissen zwischen dem Hang zur bittersüßen Melancholie und einer gewachsenen Liebe zu einer Art Rokoko-Verismus. Der andere, Nino Rota, dessen «Schicksal» es war, im falschen Jahrhundert (und für das falsche Genre) zu komponieren – allzu wenig hatte das «Zeitalter der Extreme» übrig für verspielt-buffoneske Schöpfungen. Die Musikgeschichte hat beiden einen Platz weit unterhalb des Olymps zugewiesen – nicht ganz zu Unrecht, jedoch mit ästhetisch zumindest biegsamen Argumenten.
Gewiss, beide Komponisten setzten keine Maßstäbe, und erkennbar wohnt ihren Schöpfungen der Hauch des Restaurativ-Eklektischen inne. Wie lohnenswert ein Blick in die Kompositionswerkstatt dieser Tonsetzer dennoch sein kann, haben nun gleich mehrere Opernhäuser gezeigt.
Den Gipfel markiert, in jedweder Hinsicht, Gelsenkirchen mit einem doppelten Rota. Als Prolog auf dem Theater figuriert die deutsche Erstaufführung der Idylle «La scuola di guida»; ein viertelstündiges Amüsement, gespickt mit albernen sexuellen Anspielungen, dramaturgisch aber sinnvoll, weil es die Vorgeschichte erzählt: wie der Quartier-Casanova ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für...
Eine posthume Entmannung ist für gebildete Hanseaten zumindest auf der Bühne offenbar verkraftbar. «Aber einfach nur so», die Dame im Theaterlokal macht eine elegante Bewegung, «das hätte gereicht.» Musste die Trophäe auch noch beim Gruppenselfie präsentiert werden, für das eine Frauenkampftruppe im Büro des Polizeichefs posiert? Diesmal hat Tosca den bösen...
Diese CD fällt durch alle Raster. So wie der Künstler, dem sie gewidmet ist: Hans Jürgen von der Wense. Ein genialischer Freigeist, der alles anfing und nichts fertig brachte. Ein anarchischer Poet, der mit Noten dichtete und mit Silben, Wörtern, Sätzen komponierte. Er bastelte an einer Philosophie der Schaukel und schrieb, Autodidakt auf den Spuren des frühen...
