Wieder im Kommen?
Zwei Außenseiter, ohne Zweifel. Der eine, Ermanno Wolf-Ferrari, hin und her gerissen zwischen dem Hang zur bittersüßen Melancholie und einer gewachsenen Liebe zu einer Art Rokoko-Verismus. Der andere, Nino Rota, dessen «Schicksal» es war, im falschen Jahrhundert (und für das falsche Genre) zu komponieren – allzu wenig hatte das «Zeitalter der Extreme» übrig für verspielt-buffoneske Schöpfungen. Die Musikgeschichte hat beiden einen Platz weit unterhalb des Olymps zugewiesen – nicht ganz zu Unrecht, jedoch mit ästhetisch zumindest biegsamen Argumenten.
Gewiss, beide Komponisten setzten keine Maßstäbe, und erkennbar wohnt ihren Schöpfungen der Hauch des Restaurativ-Eklektischen inne. Wie lohnenswert ein Blick in die Kompositionswerkstatt dieser Tonsetzer dennoch sein kann, haben nun gleich mehrere Opernhäuser gezeigt.
Den Gipfel markiert, in jedweder Hinsicht, Gelsenkirchen mit einem doppelten Rota. Als Prolog auf dem Theater figuriert die deutsche Erstaufführung der Idylle «La scuola di guida»; ein viertelstündiges Amüsement, gespickt mit albernen sexuellen Anspielungen, dramaturgisch aber sinnvoll, weil es die Vorgeschichte erzählt: wie der Quartier-Casanova ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi...
Große Massen auf leichten Füßen zu halten – das ist eine Kunst für sich. Der vereinigte Chor des Theaters Vorpommern und der Oper im Schloss Stettin ist eine beachtliche Masse, aber flotten Schrittes und stimmlich auf Zehenspitzen ziehen die Sänger als Edelleute in Wagners «Tannhäuser» auf die Wartburg. Die Choreinstudierung durch Malgorzata Bornowska und...
Wir haben einen Schrank für Konzertkleidung zu Hause. Meine Frau hat mir darin neben ihren Roben eine kleine Ecke überlassen. Ich brauche zum Glück nicht viel Platz. Die Damen haben es schwerer. Für die Stars legen sich schon mal Designer ins Zeug, aber den Normalsterblichen schneidert niemand 36 000 Kristalle auf den Leib wie kürzlich Anna Netrebko in...
