Wer zerreißt Orpheus?
Die Zielrichtung der Oper ist zunächst etwas unklar. Einerseits wird sehr bald deutlich, dass sich um 1600 ein Medium etabliert, das wie kaum ein anderes für die höfische Repräsentation geeignet ist. Andererseits war es gerade dieser repräsentative Aspekt, der ganz essenziell mit Prachtentfaltung verknüpft war und den die frühen Autoren der Oper offensichtlich vermeiden wollten. Zwar ist die Annahme, die prachtvollen Florentiner Intermedien des 16. Jahrhunderts gehörten zu den wichtigsten Quellen der Oper, nicht von der Hand zu weisen.
Doch widerspricht die Erscheinungsform der frühen Opern diesen Intermedien so sehr, dass eher daran zu denken ist, hier sollte eine Gattung geschaffen werden, für welche die künstlerische Legitimation durch humanistische Bildungszirkel wichtiger war als die Legitimation durch den bei den frühen Opern noch gar nicht feststehenden Zweck. Obwohl es nur wenige Rezeptionszeugnisse gibt, scheint es doch so, dass das lange Deklamieren in diesen frühen Opern als eher unerfreuliche Erscheinung betrachtet wurde. Caccini etwa berichtete selbst, dass seine Oper «Il rapimento di Cefalo» deshalb nicht erfolgreich gewesen sei, weil man die Musik für langweilig ...
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Das letzte Opern-Tabu hat einen Namen: David Marton. An der Treue zum Notentext nämlich, an der Form der Werke, hat selbst die vom sogenannten Regietheater revolutionierte Oper bislang nicht gerüttelt. Marton schon.
Selbst bei der Länge der Werke tendiert die Gegenwart, die zugleich szenisch immer stärker dekonstruiert, zu gesteigerter Nibelungentreue zum Original....
Schlafwandlerin der Liebe ist Violetta nicht. Keine «Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», wie Alwa von Lulu schwärmt. Man mag derlei Gedankenspiele pflegen, weil Marlis Petersen 2003 mit der Titelfigur in Peter Konwitschnys Hamburger Inszenierung von Alban Bergs Oper ihren Durchbruch schaffte. Und weil sie nun in Graz erstmals die Traviata...
Eine besondere Kuriosität der Operngeschichte wurde vor drei Jahren in Bad Wildbad zur ersten öffentlichen Aufführung gebracht: Giovanni Pacinis Version des «Don Giovanni», die er 1832 für eine Privatvorstellung in Viareggio komponierte. Die Rollen sangen Mitglieder seiner Familie und er selbst; ein Kammerorchester aus Streichern und zwei Flöten sorgte für die...
