Lichter Eros, schwarze Melancholie
Es ist keine Schande, den Namen von Rita Strohl noch nie gehört zu haben. Auch einschlägige Lexika kennen ihn nicht – ein Schicksal, das Debussys Zeitgenossin mit vielen Komponistinnen teilt. Wie ihr berühmter Landsmann stand Strohl im Bann des Symbolismus und damit fest in der französischen Tradition, war zugleich aber eine glühende Anhängerin Wagners. Sie begann mit Kammermusik und Liedern, wandte sich aber nach 1900 in einer Mischung aus esoterischem Mystizismus und pantheistischer Religiosität großformatigen Symphonien und der Oper zu.
Ihr megalomanes Projekt, nach dem Vorbild Bayreuths ein eigenes Theater zur Aufführung ihres unvollendeten, sieben Tage dauernden «Hindu-Zyklus» zu gründen, scheiterte. Danach zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück, verstummte mehr und mehr als Komponistin – und war bei ihrem Tod 1941 so gut wie vergessen.
Jetzt legt die Vereinigung «Elles women composers» auf ihrem CD-Label «La Boîte à Pépites» («Schatzkästchen») mit Vokalmusik die erste der auf drei Doppel-CDs geplanten Präsentation von Strohls fast 100 Werke umfassenden Œuvres vor. Die zwischen 1894 und 1901 entstandenen Lieder sind eine aufregende Wiederentdeckung – Werke, die teilweise ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Uwe Schweikert
Reuß-Schleiz-Greiz heißt das deutsche Duodezfürstentum in der Operette «Wiener Blut». Dass es keineswegs fiktiv ist, weiß eine größere Öffentlichkeit allerdings erst, seit ein Nachfahre des dortigen Herrschergeschlechts der Reußen vor eineinhalb Jahren bei den «Reichsbürgern» mitgeputscht hat. Wie sämtliche männlichen Mitglieder der Dynastie heißt er Heinrich, ist...
Der tschechische Musikwissenschaftler Vladimír Karbusický zitierte in seinen Hamburger Seminaren mit ironisch zusammengekniffenen Augen gern die (natürlich von ihm stammende) strukturelle «Ur-Formel» alles Klingenden: «Musik ist Wiederholung und Variation.» Das war im letzten Jahrhundert und besitzt, trotz der ironischen Simplizität des Merksatzes, einen wahren...
Die Entscheidung fällt nicht eben leicht: Soll man Lehárs «Lustige Witwe» nun toll finden oder doch eher ein bisschen doof? Wäre der Maßstab die Art und Weise, wie Patrick Hahn den orchestralen Entr’acte mit der Melodie des Vilja-Lieds vor dem Finalakt dirigiert und dabei jede feine Nuance dieses melancholischen Klangbildes hervorzaubert, fiele das Votum klar aus:...
