Once upon a time in Hollywood
Der Anfang ist geklaut. Etwas freundlicher ausgedrückt: eine Reverenz. Die fliehende Straße, verfolgt von einer Kamera, die in Windeseile ins Nichts rast, kennen wir aus dem Film «Mulholland Drive» von David Lynch. Hier, in der Halle E des Museumsquartiers, wird das Entrée allerdings anders untermalt – von der Ouvertüre zu Gounods Drame-lyrique «Roméo et Juliette», die sich erst sehr spät, mit dem Einsetzen des Utopie verheißenden Liebesgesangs, aus der tödlichen d-Moll-Klammer befreien kann.
Die Stoßrichtung indes, sie ist da wie dort die gleiche. Am Ende der Straße wartet (vermutlich) das Nirwana. Wie auch immer es aussehen mag.
Dass Marie-Eve Signeyrole aus ihrer Verehrung für Lynchs Ästhetik keinerlei Hehl macht (wie ebenfalls für Quentin Tarantino, dessen Streifen «Pulp Fiction» als Plakat zu sehen ist), darf kaum verwundern: Auch sie liebt das Abgründige, und vor allem liebt sie den Film in der Oper. Auch in ihrer Inszenierung am Musiktheater an der Wien wird das erneut evident; nur genügt es der französischen (Film-)Regisseurin nicht mehr, cineastische Elemente in ihre Arbeit einzuflechten. Diesmal siedelt sie sogar die gesamte Oper in einem filmischen Ambiente an. Genauer: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten
Eine geschmackssichere, aber etwas statische, Deutungen lediglich vage zur Diskussion stellende «Elektra» zeigt Intendant Karsten Wiegand am Staatstheater Darmstadt. Ein merkwürdiger Fall, der dokumentiert, dass mit Ruhe und Schönheit nicht alle Inszenierungsfragen zu lösen sind, jedenfalls nicht mit Blick auf ein rabiates Werk wie das von Richard Strauss und Hugo...
Turandot war sein Schicksal. Nicht aber die eisgekühlte Prinzessin dieses Namens, sondern Giacomo Puccinis unvollendete Oper. Mit ihrer Vervollständigung wurde Franco Alfano nach dem Tod des Komponistenkol -legen 1924 beauftragt, allein, großes Glück war ihm nicht beschieden. Seine erste Version (nach Skizzen Puccinis) fegte der Uraufführungsdirigent Arturo...
Eine «Extravaganza musicale in technicolor» kündigt das bühnenhohe Filmplakat an, das einen muskelbepackten Helden mit Schnauzbart in einem antikisierenden Floß auf wildtosendem Meer zeigt. Ein Zufall ist es nicht: Der Film, der hier in den nächsten dreieinhalb Stunden entstehen wird, ist eigentlich eine Oper – Nicola Antonio Porporas «Polifemo» von 1735. Das...
