Wer ist Jedermann?
Europäische Leser mögen nach wie vor staunen, dass es in Australien für fast 23 Millionen Einwohner nur eine einzige «nationale» Opernkompanie gibt: Opera Australia (OA), die ausschließlich in Sydney und Melbourne spielt.
Selbst wenn man die in den Hauptstädten von vier Bundesstaaten beheimateten «Teilzeit»-Truppen nebst einigen Spezialensembles hinzuzählt – etwa die Sydney Chamber Opera, die sich auf zeitgenössische Produktionen konzentriert, oder die Pinchgut Opera, die einmal pro Jahr in Sydney ein Barockwerk herausbringt –, so muss man doch sagen, dass Oper für die meisten Australier unerreichbar bleibt.
Dieser demografische Umstand macht die Arbeit für Opera Australia zugleich leichter und schwieriger als anderswo: Man hat kaum nennenswerte Konkurrenz, muss sich jedoch stets darum bemühen, ein heterogenes Publikum anzusprechen. In den vergangenen Jahren (besonders während der Saison 2011) hat OA diese Aufgabe mit durchwachsenem Geschick bewältigt – künstlerisch wie finanziell. Der ehemalige Sänger und Festival-Chef Lyndon Terracini, ihr neuer Artistic Director, muss zwischen Skylla und Charybdis agieren: Einerseits hat er es mit einer risikoscheuen Geschäftsführung und einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von John Carmody
Der Anlass war ein rauschendes Fest. Zum letzten Mal sollte Alessandro Scarlatti die Feder für ein dramatisches Werk führen. Uraufgeführt wurde seine «Erminia», eine Serenata für vier Stimmen, am 20. Juni 1723 in Neapel. Und zwar im Rahmen der Hochzeits-feierlichkeiten für Ferdinando Colonna, Prinz von Stigliano, und seine Angetraute Maria Luisa Caracciolo di...
Herr Skovhus, mit Aribert Reimanns «Lear» in Hamburg rücken Sie abrupt ins Großvaterfach vor.
Na ja, Fischer-Dieskau war 53 Jahre alt, als er den «Lear» uraufgeführt hat. Ich bin vier Jahre jünger, als er es damals war. Allerdings ist Lear, wie Sie wissen, überhaupt kein Großvater. Seine Töchter haben ihm keine Enkelkinder geschenkt. Er ist Vater. Testfrage...
Er kann es. Auf der Bühne ist Mariusz Kwiecien ganz bei sich. Als ob das Spiel, die Entäußerung coram publico eine Kraft sei, die den Körper inspiriert, die Stimme elektrisiert und unter Spannung hält. Ihr den letzten Kick gibt, den siebten Sinn für die innere Wahrheit einer Rolle oder Figur. Egal ob Kwiecien (immer wieder) das Geheimnis von Mozarts dissoluto...
