Unvergleichlich
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt der ganze Verzierungsstuck, den niemand so detailwütig wie sie modellieren konnte.
Doch all das war jetzt «nur» noch Mittel – um den tiefenscharfen Charakter einer alternden, sich verbissen und vergeblich an die Macht und einen jungen Liebhaber klammernden Königin zu erschaffen.
Edita Gruberová endlich als Sängerinnendarstellerin? Das glaubten viele, die damals in der Bayerischen Staatsoper saßen, fasziniert und auch bestürzt, ließ doch die Sopranistin plötzlich so viel und so Unausgesprochenes von sich zu. Dabei hatte Regisseur Christof Loy nur verstanden: All das war längst da gewesen, all das brachte die Gruberová mit. Es musste nur entdeckt und geweckt werden. Dieter Dorn hatte das Jahre zuvor geschafft, in seiner Salzburger «Ariadne». Und stellenweise auch Giancarlo Del Monaco. Was bedeutet: «Königin der ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: In Erinnerung, Seite 60
von Markus Thiel
Verdis «Don Carlos» ist immer eine vertrackte Sache. Entscheidender noch als die musikphilologisch exakte Befolgung einer wie auch immer authentischen «Ur»-Fassung ist die Wahl der Sprache. Da kommt man heute, will man sich ernsthaft auf die von Verdi gelegte Struktur des Werks einlassen, um das Französische (und damit um die fünfaktige Anlage) nicht mehr herum....
Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen...
Hohe Poesie war es nicht unbedingt, was da in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Musica» des Jahres 1967 zu lesen war. Aber dazu fühlte sich der Kritiker Hans Böhm auch nicht berufen. Seine Aufgabe bestand darin, eine Uraufführung an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu besprechen: «Weiße Rose», von ihren Autoren, dem Kompositionsstudenten Udo...
