Wenn Bilder mehr als tausend Töne sagen

Bayreuth im Aufbruch, aber wohin treiben die Festspiele? Beobachtungen zu Stefan Herheims ­opulenter «Parsifal»-Geschichtsrevue, den Reprisen von Christoph Marthalers hermetischem «Tristan», Katharina Wagners «Meistersinger»-Kunstdiskurs und zur Medialisierung des Grünen Hügels

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Wagner gibt es in Bayreuth neuerdings mit Weißbier. Und auf dem Liegestuhl. Man kann sich auch die Beine vertreten, in die heiße Sommersonne blinzeln oder in der Kühlbox kramen, wenn Norbert Ernst, der David in Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung, gerade auf einer Riesenleinwand irgendwas von Merkern, Stollen und Abgesängen trällert. Direktübertragung auf den Volksfestplatz im Norden der Stadt, der Eintritt ist frei. 15 000 Menschen fasst das Areal, zeitweilig werden 18 000 Schau­lus­tige beim public viewing gezählt.

In den vorderen Reihen verfolgt buntes Volk die Musik und Action so konzentriert wie das noble Publikum auf den Marterstühlen im Festspielhaus (1974 Plätze). Weiter hinten klirren die Humpen, klingelt schon mal ein Handy dazwischen. Gut sechseinhalb Stunden dauert die Freiluftaufführung. Wer das Spektakel bis zum Schluss durchhält, kann sogar, kurz vor Mitternacht, mit den Sängern und der Regisseurin anstoßen, die nach dem letzten Vorhang noch auf ein Gläschen an der Strandbar vorbeischauen.
Einhundertzweiunddreißig Jahre, nachdem Richard Wagner auf dem Grünen Hügel erstmals seine Festspielvision realisierte, siebenundfünfzig Jahre, nachdem Wieland und ...

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Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele I, Seite 4
von Albrecht Thiemann, Monika Beer

Vergriffen
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