Welthistorie, kurz gefasst
Ein bemerkenswerter, ein großer Stoff von weltgeschichtlicher Relevanz – und eine bemerkenswert konzise Umsetzung. Wo andere – wie etwa Thomas Mann in seinem «Fiorenza»-Drama – mit breitem Pinsel den Kontrast ausmalen zwischen lebensbejahender Renaissance und dem asketischen, von religiösem Fanatismus geprägten Mönchstum Savonarolas, schafft Volker David Kirchner es tatsächlich, die Problematik der Epoche in einer knappen Musiktheaterstunde exakt zu umreißen.
Der auch früher schon zu beobachtende Hang des Komponisten zum Aphoristischen findet in diesem Alterswerk, das er im Untertitel ein «Szenisches Purgatorium» nennt, seine vielleicht präziseste Realisierung: in mosaikartig zusammengesetzten Kurzszenen, getragen teils von rhythmischem Sprechen, teils von sanglichen Passagen, grundiert durch ein variabel abgetöntes Orchester sowie einen vielfältig eingesetzten Chor. Dabei entstehen Klänge von höchst suggestiver Wirkung, eigenwillig in ihrer stilistischen Prägung. Avantgardistisches mischt sich mit Traditionellem, ohne dass der Komponist der Gefahr des Eklektizismus erliegt oder sich in reinem Schönklang verliert. «Für mich ist die Tradition ein Kapital; vierhundert Jahre Musik, ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche
Ist es das Auge Gottes? Eine riesige Linse spannt sich sich quer über die Bühne – die alles sehende, alles beobachtende, unverrückbare Konstante dieses Breslauer «Parsifals». Sie zeigt mythische Bilder: einen See, abstrakte Spiralen, kosmische Galaxien. Im Vordergrund kreist eine Treppe auf versenkbarer Drehbühne. Der Grundton ist ein arktisches Blau, es...
Darauf, dass Mozarts «Così fan tutte» eine eher bitter als heitere Komödie ist, deutet bereits der ironische Untertitel «La scuola degli amanti» hin. Hinter dem Verwechslungszauber lauert ein grausames Kammerspiel mit eisiger Desillusionierungskonsequenz – das hat sich inzwischen flächendeckend herumgesprochen. Als harmlose Buffa unter Verschweigung von Mozarts...
Frédéric Chopin liebte die Oper. Er kannte fast alle Werke seiner Zeit, und er paraphrasierte einige davon in seinen Kompositionen. Ein eigenes Werk der Gattung aber schrieb er, obwohl wohlmeinende Freunde ihn dazu drängten, nie. Was Chopin, als er starb, nicht wusste, nicht wissen konnte: Ein anderer war da, der die Lücke füllte – nur ein wenig anders, als es...
