Gift, Mord und Rosenkranz
Die Oper aller Opern – Mozarts «Don Giovanni» wird gern so genannt.
Wer allerdings Amilcare Ponchiellis «La Gioconda» in Karlsruhe wieder einmal begegnete, winkt da nur ab: Ach was! Vereinigt nicht vielmehr dieser ausgebuffte Venedig-Kracher, für den der Librettist Arrigo Boito nicht mal seinen Namen hergeben mochte (er zeichnete mit dem Anagramm Tobia Gorrio), all die Ingredienzien, die des Königstitels würdig sind? Liebe und Treulosigkeit, Edelmut und Verrat, Denunziation und Scheintod, Ehre und Hass, Gift und Mord – und ein Rosenkranz, der samt seinem eigenen Motiv eine wichtige Rolle spielt: Wo käme das so rekordverdächtig zusammen wie hier? Dazu: eine Kontrastdramaturgie, in der Tanztrubel ohne Pause auf Orgelandacht, Serenadenheiterkeit auf die Totenglocke trifft, das Grand-Opéra-Tableau auf die erwachende Verismo-Rabiatheit. Und das vertraute Motiv der vertauschten Tränke leistet auch hier gute Dienste.
Bisweilen schwante einem, die Regisseurin Annegret Ritzel hätte am Badischen Staatstheater ein distanziertes Ausstellen all dieser wohlfeilen Bestandteile im Auge gehabt. Doch dazu fehlt dem, was auf das anfängliche Feuerwerk mit Konfetti-Regen folgte, die Ironie der ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Heinz W. Koch
Francis Poulencs Oper «Dialogues des Carmélites», die 1957 bei ihrer Erstaufführung in Köln von der Kritik verständnislos aufgenommen wurde, macht gegenwärtig die Runde an deutschsprachigen Bühnen. Mit dem gebührenden historischen Abstand nimmt man endlich auch hierzulande wahr, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt. Nur vordergründig geht es um das...
Julia Lezhneva besitzt eine Stimme, die einen beim ersten Ton elektrisiert. Besonders wenn man das melancholisch-samtige Timbre slawischer Sängerinnen mag. «Sopran» steht auf dem Cover ihrer ersten Recital-CD. Dafür klingt die Stimme erstaunlich dunkel. Es ist eher ein leichter, beweglicher Mezzo mit Höhe: eine geborene Rossini-Sängerin, zumal die Koloraturen voll,...
Es wird wohl das Spielzeit-Motto gewesen sein, das die Leitung des Trierer Theaters dazu bewegte, die deutsche Erstaufführung der Philip Glass-Oper «The Voyage» an Land zu ziehen. «welt.eroberung» lautete das Leitmotiv der zu Ende gehenden Saison an der Mosel, und dazu schien die Glass-Menagerie aus gestrandeten Astronauten, zweifelnden Wissenschaftlern und dem...
