Was der Hörer nicht kennt...
Im globalisierten Opernbetrieb müssen Sänger selbstverständlich auch in Sprachen singen, die sie nicht beherrschen, und die Partien notfalls phonetisch lernen. Oft ist das Ergebnis unbefriedigend. Längst sind Übertitel nötig, damit das Publikum Texte in seiner Muttersprache versteht. Der Frage, ob diese Texte phonetisch «entstellt» überhaupt noch verstehbar sind – auch im emotionalen Sinne –, weicht man aus, weil sonst der Sinn vieler Aufführungen gänzlich in Frage gestellt wäre.
Betroffen von der Sprachbarriere sind besonders französische Opern, die – abgesehen von Hits wie «Carmen» oder «Faust» – auch deshalb vergleichsweise selten gespielt werden, weil sie eben auf Französisch gesungen werden müssen. Immer noch herrscht die Ansicht, Italienisch sei die sanglichste Sprache, sanglicher jedenfalls als das Französische. Tatsächlich fällt bloß die Aussprache leichter: Das Italienische hat sieben, das Französische aber sechzehn Vokal-Phoneme.
Zwei vom amerikanischen Label Marston veröffentlichte Anthologien bieten jetzt Gelegenheit, das vokale Idiom Giacomo Meyerbeers zu studieren. Auf insgesamt sechs CDs sind in Aufnahmen aus den Jahren 1899-1925 Titel aus «Robert le Diable», «Les ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jürgen Kesting
Der Mensch liebt es anscheinend, sich zu schinden. Etwa jeden Oktober auf der Hauptinsel von Hawaii beim «Ironman» – 3,86 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie die traditionelle Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern (die «Eisenmänner» der letzten beide Jahre waren übrigens Deutsche). Ob es Barrie Kosky 2012 mit dem Monteverdi-Triathlon zu Beginn seiner Ära an der...
Tomaso Albinoni? Kennt man natürlich. Eine Nummer des «dilettante Veneto» gehört in jede ordentliche Barock-Compilation (und sei’s das berühmte Adagio in g-Moll, das Albinoni-Biograf Remo Giazotto in den 1950er-Jahren nachkomponierte), an Aufnahmen seiner concerti a cinque herrscht kein Mangel.
Aber die Vokalmusik? Da dünnt die Diskografie dramatisch aus. Ein paar...
Mit diesem Stück fing alles an: «My Fair Lady» war der erste echte Musical-Erfolg in Deutschland. Eine Kulturnation, die traditionell zwischen der «ernsten», also der wertvollen, und der «unterhaltsamen», also zweitklassigen, Kunst unterscheidet, musste fast zwangsläufig mit dem aus Übersee importierten Genre fremdeln. Doch Frederick Loewes Stück spielt in...
