Wahrhaftigkeit ist alles

Edita Gruberova als Lucrezia Borgia und Renée Fleming als Thaïs auf DVD

Opernwelt - Logo

Es war keine schlechte Überraschung: 2004 outete sich Edita Gruberova in Donizettis «Roberto Devereux» als Darstellerin. Das Ereignis fand an der Bayerischen Staatsoper statt. Fünf Jahre später folgte dort mit ihrem Lieblingsregisseur Christof Loy «Lucrezia Borgia», und die Schraube ist quasi noch weiter gedreht: Fast nichts mehr «stört» nun die von allem Zierrat entkleidete Tragödie einer vereinsamten Frau.

Eine karge, grau-schwarze Ästhetik, in der die ständigen Kostümwechsel der Titelheldin von einer verzweifelten Identitätssuche künden – und nicht teurer Selbstzweck sind wie jene Roben, die Christian Lacroix in Massenets «Thaïs» für Renée Fleming schuf.

Gerade diese beiden auf DVD dokumentierten Produktionen – hier Gruberovas auch musikalisch oft rückhaltlose Selbstentblößung, dort Fleming als güldene Sopranheilige – markieren Wohl und Wehe der Diven-Szene. Kein schwitzendes Wüsten-Drama also an der Met um den Superstar: Regisseur John Cox lässt «Thaïs», eine parfümierte Variation der Salome/Jochanaan-Tragödie, im französisch durchwehten Ambiente spielen. Bis zum Zottelmantel des Mönchs Athanaël ist alles sorgsam abgesteppt: Armut, wie man sie der New Yorker Gala-Gemeinde ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 23
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Rotwein-Scheiß» und andere Grausamkeiten

Ja, 1927 war es leicht, einen klaren politischen Standpunkt einzunehmen. Als Kurt Weill und Bertolt Brecht ihr «Mahagonny-Songspiel» schrieben, hatte die kommunistische Utopie noch nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt, und es war genau auszumachen, wo der Feind stand. Fast mochte man meinen, Franck Ollu und das Ensemble Modern wollten zur Eröffnung des 18....

Gift, Galle und Flowerpower

Müßig zu spekulieren, wie sich Händels Schaffen entwickelt hätte, wenn er nach dem Erfolg seiner «Agrippina» in Italien geblieben wäre. Eines allerdings ist sicher: So bissige Töne wie in der 1709 entstandenen Komödie über den Cäsarenhof erlaubte er sich später niemals wieder – schon allein, weil sich in seiner neuen britischen Heimat alles verbot, was als Angriff...

Verunglückt, verbessert, angesäuert

Über die Krise des Verdi-Gesangs lässt sich wohlfeil klagen. Ausgeblendet wird dabei meist eine nicht minder bedenkliche Krise der Verdi-Regie. Diese letztere Krise greift besonders dann, wenn die Produktionen eine gewisse Etat- und Gagenklasse überschreiten. Vor allem davon künden die hier vorgestellten DVD-Neuerscheinungen, egal ob sie Aufführungen von 2008 oder...