Von Wagner zu Hitler – und mittendrin: Isolde
Der Bedarf an Biografien namentlich weiblicher Verwandter von berühmten Persönlichkeiten speist sich vermutlich vor allem aus zwei Quellen: Erstens liegen über Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe und eben Richard Wagner so zahl- und umfangreiche Bücher vor, dass eine Erweiterung des Blicks aus der Verlegenheit ständiger Wiederholungen heraushelfen kann.
Zweitens ermöglicht der Blick auf die Biografien von Ehefrauen, Schwestern, Töchtern und so weiter, all das wahrzunehmen, was im Glanzlicht der (männlichen) Prominenz in Vergessenheit geriet; ungeschriebene Frauenbiografien entstehen somit gewissermaßen «automatisch» neu.
Bei glücklichem Verlauf ergeben sich daraus individuelle und zugleich exemplarische Geschichten, Panoramen ihrer Zeit sowie neue Details und Facetten – auch die zentralen Figuren des Ganzen betreffend. Hier heißt das zum Beispiel, Richard Wagner als liebenden Vater zu erleben, der sich nach dem kranken «Loldchen» erkundigt, «diesem wunderlichen Wunderkind», in dessen Haus «viel gelesen, gespielt und phantasiert» wird und dem es fernliegt, seine erste Tochter auszubooten, wie es seine Witwe nachher unternimmt. Es dürfte auch der spektakuläre und entsprechend ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Judith von Sternburg
63. JAHRGANG, NR 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690 | Best.-Nr. 752361
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