Sehnen und wähnen
Die Liebe, heißt es ebenso apodiktisch wie unwiderlegbar in John de La Bruyères Traktat «Les caractères de Théophraste», beginnt stets mit der Liebe, mit ihrer (zeitlosen) Immanenz. Auch Théophile Gautier dachte wohl an diese schönste, zugleich schmerzlichste aller zwischenmenschlichen Empfindungen, an ihre vielfältigen, einander widersprechenden Erscheinungsformen, als er 1838 den Lyrik-Band «La Comédie de la mort» zusammenstellte.
Darin finden sich auch jene «Les Nuits d’été», eine lose Sammlung von sechs Gedichten, die Gautiers Freund (und Nachbar) Héctor Berlioz vermutlich schon vor ihrer Veröffentlichung kannte und stante pede vertonte.
Obschon die Orchesterfassung, insbesondere der schillernden und irisierenden Farbenspiele wegen, bekannter geworden ist, so schrieb Berlioz «Les Nuits d’eté» doch zunächst für Stimme und Klavier; erst viele Jahre später instrumentierte er den Zyklus. Wie reizvoll die ursprüngliche Version zu klingen vermag, zeigt Benjamin Bernheim auf seinem neuen Album «Douce France», welches er gemeinsam mit der kanadischen Korrepetitorin (und Dirigentin) Carry-Ann Matheson aufgenommen hat. Während sich die lyrische, sanft grundierte Stimme des französischen ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Jürgen Otten
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