Von feinster Poesie

Constantinos Carydis entlockt «Idomeneo» bei den Opernfestspielen der Bayerischen Staatsoper in München bislang unerhörte Nuancen, Antú Romero Nunes sucht das Feuer in Mozarts Dramma per Musica

Opernwelt - Logo

Hätte die letzte Spielzeit von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper nicht unter dem Signum der Corona-Maßnahmen gestanden, sie wäre wohl tatsächlich seine glanzvollste geworden. Schließlich hatte Bachler, der es so gern glänzend (und manchmal auch einfach nur hochglänzend) liebte, sie als geschichtsbewusste Summe angedacht: einige der bedeutendsten in München uraufgeführten Werke neu zu befragen, bereichert um neue Uraufführungen.

Mit unermüdlicher Energie und einigem Trotz gegen die Politik setzte Bachler denn auch durch, dass am Ende bis auf eine alle stattfinden konnten, aber einige nur im Stream und die meisten auf Biegen und Brechen, indem er zum Beispiel Chor und Orchester des Hauses einem vergleichsweise extremen  Corona-Testkonzept unterwarf. Ebenso wie er beim Publikum für seine letzten, wie stets die Spielzeit beendenden Opernfestspiele das in Bayern noch kaum übliche Vorweisen von Impfausweisen an der Theatertür durchsetzte, um «Tristan und Isolde» (OW 8/2021) unter dem Dirigat des ehemaligen Generalmusikdirektors Kirill Petrenko und «Idomeneo» vor wenigstens halbvollem Haus zeigen zu können.

Tatsächlich wäre es schade gewesen, wenn weniger ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Festspiele München, Seite 48
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Der doppelte Blick

Es hat lange gedauert. Zu lange. Doch die verkrusteten Strukturen in Bayreuth verhinderten es selbst noch in jüngerer Vergangenheit, dass eine Frau in den mystischen Abgrund hinabsteigen durfte. Nun, endlich, war es soweit, Oksana Lyniv dirigierte den «Fliegenden Holländer», äußerst kritisch beäugt. Tradition ist eben immer noch ein Wort am Grünen Hügel. Katharina...

Arbeit am Mythos

Eine putzige Anekdote über den kleinen Peter Tschaikowsky geht so: Das elsässische Kindermädchen ertappte seinen Schützling eines Tages, wie er vor einem Atlas kniete und die Länder Europas als die Feinde Russlands bespuckte. Von der Französin zurechtgewiesen, dass man so etwas nicht tue, antwortete der Junge verschämt, er habe beim Spucken Frankreich mit seinen...

Lobpreisungen der Liebe

Mit einem enormen Programm spielt das Festival d’Aix-en-Provence wieder vor vollen Rängen: Simon Rattle beleuchtet Wagners «Tristan» ganz neu und wird anstelle von Simon Stone zum eigentlichen Regisseur. Dafür findet der australisch-schweizerische Regisseur beeindruckende Bilder für Kaija Saariahos fünfte Oper «Innocence», die er gemeinsam mit Susanna Mälkki aus...