Von (Er)lösung keine Spur
Am 5. Juli endet eine kurze Ära – die des singenden Intendanten: An diesem Tag wird Jonas Kaufmann alias Siegmund mutmaßlich phonstark nach Papa Wälse rufen, in einem konzertanten ersten «Walküre»-Akt, um sich in Erl fortan nurmehr auf Administratives zu beschränken. Die Enttäuschung bei den eingefleischten Fans dürfte immens sein.
In der Saison 2025/26 gibt es bei den Tiroler Festspielen zwar einen Belcanto-Schwerpunkt im Winter (mit einer szenischen «Lucia di Lammermoor» und einer konzertanten «Sonnambula»), eine sommerliche Melange aus «Holländer» und dem Doppelabend «Suor Angelica»/La Mort de Cléopatre» sowie die österreichische Erstaufführung von Philip Venables’ «We Are The Lucky Ones», doch keinen einzigen Programmpunkt mit dem Star. Nicht einmal die österliche Wiederaufnahme von Wagners «Parsifal» wird Kaufmann anno 2026 bestreiten, was umso merkwürdiger ist, als dass die Produktion bei der Premiere in diesem April als propere Personality-Show serviert wurde. Im grauen Hoodie streift da Kaufmann als später Twen über die Dorfwiesen, verschafft sich Zugang zum Festspielhaus, irrt durch den Backstage-Bereich und wandelt weiter zum leeren, benachbarten Passionsspielhaus, wo ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel, Jürgen Otten
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss...
Beim Applaus sind fast alle blutüberströmt: Polonius, der nach einer Rauferei mit Hamlet tot liegen geblieben ist; Laertes, den Hamlet bei Polonius’ Beerdigung mit einer Axt erschlagen hat; Claudius, der gleichfalls nicht entkommen konnte. Und schließlich Hamlet, weil sich Ophelia bei ihrer letzten Umarmung mit einem Küchenmesser zur Wehr zu setzen wusste. Ob auch...
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort...
