Am Abgrund
Wenn Maria Callas oder Birgit Nilsson die Turandot auf die Bühne brachten, dann taten sie dies nicht nur in hoheitsvollen Gewändern, die an die Herkunft der chinesischen Kaisertochter gemahnen sollten. Die Primadonnen trugen dabei stets überaus üppigen, artistisch aufgetürmten Kopfschmuck, je nach Inszenierung aus Vogelfedern oder bunten Edelsteinen gewirkt, in jedem Falle der Grandezza und der Unnahbarkeit der Eisprinzessin Ausdruck verleihend.
In seiner Neuinszenierung am Stadttheater Bremerhaven meidet Philipp Westerbarkei zwar jeglichen exotistischen Ausstattungspomp, der an den offiziellen Spielort von Puccinis unvollendetem Schwanengesang gemahnen würde. Dennoch gönnt er seiner Darstellerin der Titelfigur die divenhafte Zierde ihres Hauptes, die sie immer dann präsentiert, wenn sie als öffentliche Figur in Erscheinung tritt. Politisch sind diese Auftritte allerdings keineswegs: Ihr Vater Altoum ist nicht der Kaiser von China, sondern der gräuliche Seniorchef eines schummrigen Revuetheaters – und Turandot der Star des Etablissements, das in den Roaring Twenties zunächst ein Hotspot des hemmungslosen Hedonismus gewesen sein muss. Doch mittlerweile kriselt es gewaltig. In den ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Peter Krause
Wie kamen Sie zur klassischen Musik?
Ich erinnere mich nicht mehr, was meine Inspiration war, ich weiß nur, dass ich als Kind zwei Dinge wollte: ein Klavier und einen Hund. Beides habe ich bekommen.
Beides? Sonst ist es doch immer so, dass Eltern sagen: entweder, oder?
Ich habe beides bekommen und bin dann 17 Jahre beim Klavier geblieben. Obwohl es ein Leidensweg...
Ein leises «Ach!» entfährt Alkmene am Ende von Kleists Tragikomödie «Amphitryon», sie hat ja auch allen Grund dazu. Was ihr zuvor widerfuhr, hätte wohl auch stärkere Naturen aus der Bahn geworfen; fragt sich nur bei Lichte besehen, ob die göttliche Einmischung in ihre etwas angestaubte Ehe mit dem bedauernswerten Titelhelden nicht womöglich einem innigen...
Manchmal tat sie gar nichts mehr auf der Bühne. Stand da wie eine erstarrte Singsäule, wie heißes Eis. Weil da diese Präsenz war, die alles und alle an die Wand drückte. Dazu ein Gesang, der im besten Sinne gestisch war, von solch einer Eloquenz und Energie, dass jede Arm -bewegung, jeder Gang nur unnütze Verdoppelung gewesen wäre. Das wusste und weiß Agnes Baltsa,...
