Voll aufgegangen
Im schweizerischen Bergdorf, wo der Oldenburger «Ring» spielt, ist es Winter geworden. Die Weltesche, in der «Walküre» noch in vollem Laub, im «Siegfried» in milde Herbstfarben getaucht, ist gefällt und liegt als Brennholz für den Scheiterhaufen bereit, auf dem Walhall verglühen wird. So beginnt im Staatstheater die «Götterdämmerung». Zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses ist Wagners Nibelungen-Tetralogie damit komplett über die Bühne gegangen; im kommenden Jahr wird die Produktion in drei zyklischen Aufführungen nochmals zu sehen sein.
Die Konzeption von Paul Esterhazy und seinem Bühnen- und Kostümbildner Mathis Neidhardt hat Aufsehen erregt und viel Zustimmung gefunden. In der Tat ist die Idee, den überdimensionalen Götter- und Heldenmythos in die Enge einer in sich abgeschlossenen dörflichen Gemeinschaft zu transferieren, voll aufgegangen. Die Hierarchien, die Konflikte, die emotionalen Spannungen gleichen sich verblüffend.
Wotan, ehemaliger Großbauer und Wortführer der dörflichen Gemeinschaft, hat endgültig abgewirtschaftet. Als stummer Beobachter durchstreift er, ähnlich wie als «Wanderer» im «Siegfried», die Szene. Seine Rolle in der Dorfhierarchie haben die ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Gerhart Asche
Anne Sofie von Otter in strengem Schwarz mit Gretchenfrisur als L’Opinion publique konnte dieses Jahr im Salzburger «Orphée aux enfers» mit der speziellen Sympathie des Publikums rechnen. Doch die «Öffentliche Meinung» schien auch an der Salzach weit über Offenbachs Opéra-bouffon hinaus wirksam. Sind ihre eigentlichen Spiel- und Jagdwiesen nun doch – es lebe die...
Zwar ist 2019 noch nicht vorbei. Doch müsste ein Wunder geschehen, um dieses Offenbach-Jahr noch zu drehen. Sein Ertrag ist – überschaubar: einige Neuproduktionen, doch kaum neue Perspektiven. Und noch weniger Auseinandersetzungen mit Unbekanntem («Barkouf», der im Oktober in Köln Premiere hatte, war schon 2018 in Straßburg herausgekommen).
Das kalauernde Motto...
JUBILARE
Ute Trekel-Burckhardt wurde im sächsischen Pirna geboren. Sie nahm zunächst Klavier- und Geigenunterricht und studierte nach dem Abitur Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. 1963 debütierte die Mezzosopranistin als Page in Strauss’ «Salome» in einer Inszenierung von Götz Friedrich an der Komischen Oper Berlin, der sie lange verbunden...
