Gefrorene Tränen
Der Mensch erscheint, nein, leider nicht im Holozän, das wäre Literatur und, Max Frisch sei Dank, fürwahr eine formidable. Er erscheint im Anthropozän, als Zentrum allen Seins und Werdens, als geochronologische Konstante, als tellurische Macht, die Einfluss nicht nur auf das eigene Geschick nimmt, sondern massiv in die Natur und ihre organischen Verläufe eingreift. Der Mensch spielt, nachdem er Gott abgeschafft hat, selbst Gott und richtet damit Verheerungen an, die ihm selbst irgendwann (und vermutlich nicht erst in fernen Zeiten) gröbste Sorgenfurchen auf die Stirn zaubern werden.
Und man kommt nicht umhin, an Loges weisen Satz aus dem «Rheingold» zu denken: «Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.»
Stuart MacRaes Oper «Die Frau aus dem Eis (Anthropocene)» auf ein sprachgescheites, philosophisch geschultes und ungemein poetisches Libretto von Louise Welsh, Anfang 2019 im Theatre Royal Glasgow uraufgeführt und nun am Theater Bielefeld erstmals in deutschsprachigen Landen zu erleben, erzählt von diesem nahenden Ende, von den Hypertrophien einer Gruppe von Forscherinnen und Forschern, die – begleitet von Abenteurern dubioser Provenienz – doch eigentlich nur ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Jürgen Otten
Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfill...
Das ultimative Idyll, vielleicht ist es auch nur eine Utopie, begegnet uns schon in Nummer zwei. «Es ruht so wohl, es ruht so warm», dichtete Eduard von Bauernfeld, von Franz Schubert in «Der Vater mit dem Kind» als klangliches Andachtsbild festgehalten. Und dass diese Minuten völlig kitschfrei gesungen werden, voller Wärme, inniglich und echt, vielleicht auch aus...
Das Ding, um das es heute gehen soll,
Ist super alt, von Sechzehnhundertseben:
Es liebt der Orpheus seine «Dittsche» voll,
Am Arsch der Welt, genauer: Kreisstadt Theben.
Ein Ort, besetzt von vielen fiesen Tieren.
Die «Dittsche» stirbt am Biss von einer Viper,
Drum greift er prompt zum Instrument der Iren:
Zur Harfe – singt, da kommt vom Gate der Keeper
Und meint:...
