Verniedlicht
Mit der vor zwei Jahrzehnten verwegenen These, dass Händel wie Monteverdi, Mozart und Verdi zum Kreis der herausragenden Opernkomponisten gehöre, begann Winton Dean seine Studie über Händels Opern. Sie fand ihre Bestätigung durch Dutzende Aufnahmen, die von William Christie, Alan Curtis, René Jacobs und Nicolas McGegan vorgelegt wurden. Dem Vertrauen in die Musik setzten die regieführenden Jungtürken ihre Skepsis gegen die «unzeitgemäße» Opera seria entgegen.
Oft wird in der Denkfabrik der Programmhefte auf die politischen Aspekte der Händel’schen Opern, etwa das Fehlverhalten der Mächtigen, hingewiesen – bei der Hamburger «Radamisto»-Aufführung von dem Politologen Udo Bermbach –, ohne dass durch die Inszenierungen ein Zeitgeflecht hergestellt würde, das die auf ökonomische Weise vollzogene Refeudalisierung der heutigen Gesellschaft thematisieren würde. Aus dem Tyrannen Tiridate, der um seiner sexuellen Obsessionen willen einen Krieg anzettelt, wird so schnell ein Slapstick-Rocker.
Wirklicher Fortschritt, sagte Brecht, ist nicht Fortgeschrittensein, sondern Fortschreiten. Von Fortschreiten war in der Hamburger «Radamisto»-Inszenierung von Marco Marelli (Regie, Bühnenbild, Licht) und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Claude Debussys musiktheatralisches Meisterwerk hatte in Russland einen schweren Stand. Dreizehn Jahre nach der Pariser Uraufführung 1902 ereilte «Pelléas et Mélisande» am Petrograder Theater ein kurzes, unglückliches Bühnenschicksal – in Gestalt einer Produktion, die nur einen Torso des Originals und den obendrein in russischer Sprache präsentierte. Erst jetzt,...
Auf unserer Rückfahrt grinst Ron zum ersten Mal. Er zieht die Lippen von seinen blitzend weißen Zähnen, und sein schwarzes Gesicht beginnt zu leuchten. Ja, Sam sei ein alter Freund von ihm. Sam Barber. Mit dem habe er schon auf der Veranda gesessen. Was, sogar in Europa sei der bekannt? Ein lieber Mensch. Salzburg? Vanessa? «Never heard of it.» Ron fährt Taxi in...
Elf Jahre hat Intendant Jean-Louis Grinda erfolgreich am Ruf der Oper Lüttich als gediegenes, musikalische Akzente setzendes Haus gearbeitet. Nun wechselt er nach Monte Carlo. Szenisch gilt die «Opéra Royal de Wallonie» als wenig innovativ – Reiseunternehmen im Umkreis werben bisweilen offen damit, dass man in Lüttich Oper noch «wie früher» erleben könne.
In der...
