Verniedlicht
Mit der vor zwei Jahrzehnten verwegenen These, dass Händel wie Monteverdi, Mozart und Verdi zum Kreis der herausragenden Opernkomponisten gehöre, begann Winton Dean seine Studie über Händels Opern. Sie fand ihre Bestätigung durch Dutzende Aufnahmen, die von William Christie, Alan Curtis, René Jacobs und Nicolas McGegan vorgelegt wurden. Dem Vertrauen in die Musik setzten die regieführenden Jungtürken ihre Skepsis gegen die «unzeitgemäße» Opera seria entgegen.
Oft wird in der Denkfabrik der Programmhefte auf die politischen Aspekte der Händel’schen Opern, etwa das Fehlverhalten der Mächtigen, hingewiesen – bei der Hamburger «Radamisto»-Aufführung von dem Politologen Udo Bermbach –, ohne dass durch die Inszenierungen ein Zeitgeflecht hergestellt würde, das die auf ökonomische Weise vollzogene Refeudalisierung der heutigen Gesellschaft thematisieren würde. Aus dem Tyrannen Tiridate, der um seiner sexuellen Obsessionen willen einen Krieg anzettelt, wird so schnell ein Slapstick-Rocker.
Wirklicher Fortschritt, sagte Brecht, ist nicht Fortgeschrittensein, sondern Fortschreiten. Von Fortschreiten war in der Hamburger «Radamisto»-Inszenierung von Marco Marelli (Regie, Bühnenbild, Licht) und ...
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Rossini war einer der ersten bedeutenden Komponisten, die den englischen Dichter Sir Walter Scott, der für die europäische Romantik eine Leitfigur war, für die Opernbühne entdeckten. Scotts Verserzählung «The Lady of the Lake» (1810) bildet die Grundlage von «La donna del lago», die im September 1819 in Neapel ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte und sich mehr...
Eine merkwürdige, vielfach bestätigte Erfahrung: die Premiere einer Neuinszenierung, endend in einer Schlacht zwischen Buh und Bravo, von den Medien kontrovers kommentiert. Die zweite Vorstellung sodann ungestört, mit ein paar vereinzelten Buhrufen, die sich eher wie ein Accent aigu zur allgemeinen Zustimmung ausnehmen. So jetzt wieder bei der Neuproduktion von...
Das «Prima la musica»-Postulat in der Oper, so obsolet es ohnehin ist, kann bei einem Werk wie Verdis «Falstaff» geradezu zerstörerische Wirkung haben, denn hier haben wir es mit dem Idealfall einer Symbiose von Text und Musik im Dienste des Theaters zu tun. Als Carlo Maria Giulini diese Musikkomödie vor fünfundzwanzig Jahren in identischer Besetzung in Los Angeles...
