Verlorene Paradiese

Das Stuttgarter Eclat Festival bietet 24 Novitäten aus Orient und Okzident – leider nur online

Das Publikum steuerte dieses Jahr nicht das Theaterhaus, sondern ein Internetportal an. Die Epidemie ließ Eclat, dem Festival Neue Musik Stuttgart, in seinem 41. Jahr keine andere Chance als diese Hybrid-Form. Am Eröffnungsabend ging man ab 19 Uhr live vor leeren Reihen aus dem angestammten und beliebten Festivalort auf Sendung. Grund genug, melancholisch zu werden.

Wer hätte gedacht, dass man auf den bequemen Gang zum heimischen Kühlschrank während der Pausen gerne verzichtet und sich dort lieber im Foyer gedrängelt hätte, um an der Bar einen Trollinger zu bestellen …

Mit bewährter Emphase, den Umständen trotzend, bestritten die Neuen Vocalsolisten (fabelhaft: Johanna Vargas, Susanne Leitz-Lorey, Truike van der Poel, Martin Nagy, Guillermo Anzorena, Andreas Fischer) die sieben Uraufführungen dieses ersten Konzerts. Es war der Musikszene des Libanon gewidmet, in der westliche Orientierung und autochthone Tradition zusammenfließen. Zwischen den Werken sah der Festivalbesucher am Rechner eine virtuelle Video-Installation von Panos Aprahamian, Titel »Assemblages» – Bilder aus dem Libanon, Plansequenzen auf Landschaften aus einem Flugzeugfenster, über eine Strandpromenade hinweg aufs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2021
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Gestochen scharf

Mozart schrieb sein einziges Oratorium «Betulia liberata» im Frühsommer 1771 zwischen der ersten und zweiten Italienreise. Der Auftrag kam aus Padua, dort wurde das Werk aber nie aufgeführt. Das über 50 Mal, zuletzt 1821 von Antonio Salieri vertonte Libretto der für die Karwoche bestimmten «Azione sacra» stammt von Metastasio. Der vielfach in Literatur, Malerei und...

Das Montagsunwohlgefühl

In den vergangenen Monaten musste ich häufiger an Antonio denken. An die Worte, mit denen jenes Stück beginnt, das ihn zur Titelfigur krönt, dessen wichtigster Protagonist aber nicht der «Kaufmann von Venedig» ist, sondern sein Gegenspieler Shylock. «Ich weiß wirklich nicht, was mich so traurig macht», sagt Antonio im Gespräch mit seinen Freunden Salerio und...

Die Schrankwand spielt mit

Man kann Geschichten immer wieder neu und anders erzählen. Selbst bei einer Oper, die alle zu kennen glauben, ist das möglich, in diesem Fall Gioachino Rossinis Buffa «Il barbiere di Siviglia». Für die Produktion der Norske Opera Oslo, die im November 2020 Premiere hatte, war die Regisseurin Jetske Mijnssen verantwortlich, mit der ich zuletzt bei Giovanni Legrenzis...