Verlorene Illusionen
Wenn der Vorhang aufgeht, betritt eine Frau in bodenlangem Rock die verwaiste, sparsam bebilderte Bühne. Es ist die verwitwete Gutsbesitzerin Larina, mit einem Köfferchen in der Hand, in dem sich die Erinnerungsstücke ihres Lebens befinden. Sie alle werden eine Rolle spielen – vor allem Puschkins Versroman «Eugen Onegin», der später in zahllosen Exemplaren herumliegt und weitergereicht wird.
Larina hat ihn in ihrer Jugend verschlungen, jetzt tut es ihre schwärmerisch veranlagte Tochter Tatjana, während die alte Amme Filipjewna Marmelade einkocht und sich Tatjanas jüngere, lebenslustige Schwester Olga an den Gesängen der Dorfbewohner erfreut. Allgegenwärtig wie das rote Buch ist auch die chromatisch abfallende Sequenz, mit der das Vorspiel einsetzt – im Tonfall elegischer Melancholie und fiebriger Erregung, der die Selbstaussprache wie die kruden Dialoge der Hauptfiguren auf eine Weise begleitet, dass man meint, unentwegt dieselben Klänge zu hören.
Sonja Trebes hat genau hingehört, sie inszeniert diese Ausweglosigkeit einer Oper ohne äußere Dramatik. Was wir sehen, ist das Psychogramm eines Seelendramas, der Ablauf eines kreisförmigen Geschehens, das keine zielgerichtete ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert
alpha
05.11. – 21.45 Uhr Kissinger Sommer 2023
Kent Nagano und das DSO präsentieren im gleichnamigen Bad Kissinger Rossini-Saal Werke des Komponisten – begleitet vom Polnischen Pianisten Rafal Blechacz.
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05.11. – 17.15 Uhr Astor Piazzolla Forever
Anlässlich des 100. Geburtstags von Astor Piazzolla verbindet das Orchestre Philharmonique de Radio France...
Fangen wir, aus gegebenem Anlass, mit der Musik an. Zweiter Akt, Finale. Das Dunkel scheint sich zu lichten, wo vorher sehr viel f-Moll war, dominiert nun pastoral-pfiffiges F-Dur. Ein Tanz im Viervierteltakt, übermütig, zugleich hintergründig – Giuseppe Verdi wusste sehr wohl, wie man Klänge subversiv einwirken lässt. Und so ist es auch in diesem Allegro brillante...
Schön geträumt?», fragt das Staatstheater Darmstadt im Motto der neuen Spielzeit, die Wünsche und Ängste, Zukunftsvisionen und Realitätsverlust in den Fokus rückt. Da liegt es auf der Hand, die Saison 2023/24 mit Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» zu eröffnen – der schwarzromantischen Traumoper par excellence. Als Einfallstor ins Reich der Fiktionen fungiert in...
