Verkanntes Genie?
Es war im Mai 1865, als zwei aufstrebende, noch unbekannte Künstler, die angetreten waren, ihr Jahrhundert in die Schranken zu weisen, in Genua mit einer Oper herauskamen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte: Arrigo Boito (23) und Franco Faccio (25). Beide gehörten zur antibürgerlichen Bewegung der Scapigliati und hatten sich kein geringeres Sujet ausgewählt als Shakespeares «Hamlet». Der Erfolg blieb überschaubar; eine überarbeitete Fassung erlebte 1871 an der Mailänder Scala gar ein Desaster, danach wurde die Oper nicht mehr gespielt.
Fast 150 Jahre vergingen, bis sie in Albuquerque/New Mexico auf Initiative des Dirigenten und Musikwissenschaftlers Anthony Barrese wieder ans Licht der Öffentlichkeit gelangte. Die Bregenzer Festspiele zogen zwei Jahre später nach und sorgten für eine Überraschung bei allen, die zwar den Namen des Librettisten, nicht aber den des Komponisten kannten.
Das verkannte Meisterwerk, das viele Kritiker in der Euphorie des Entdeckens in ihm zu erkennen glaubten, ist dieser «Amleto» gleichwohl nicht. An vielen Stellen, etwa in den Bankett- und Geisterszenen, drängen sich Vergleiche zu Verdis «Macbeth» auf, dessen noch heute ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Ekkehard Pluta
Verwandlungsfähigkeit gehört zur Berufsbeschreibung, aber nur wenige Sängerinnen gebieten darüber mit ähnlich frappierender Überzeugungskraft wie Camilla Nylund. Die Vielfalt selbst ist ihr Bühnenelixier, und wohl nie zuvor war sie so sehr in ihrem Element wie im vergangenen Jahr, als es darum ging, in einem «Tannhäuser» sowohl die Venus als auch die Elisabeth zu...
Herr Solte, wir hören immer, mit Klassik-CDs könne man heute kaum noch Geld verdienen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Label zu gründen?
Ich bin da ja nicht der Einzige, in den letzten Jahren sind einige spannende Labels entstanden. Man macht das bestimmt nicht, um schnell reich zu werden, sondern aus Begeisterung für Musik, die man gut findet. Muss...
«Der Kaiser von Atlantis», Viktor Ullmanns allegorisches «Spiel in einem Akt» nach einem Text seines tschechischen Landsmanns, des Malers und Autors Peter Kien, ist wohl die einzige vollständige (Kammer-)Oper, die in einem Konzentrationslager der Nazis geschrieben wurde. Das ist nicht nur eine ungeheuerliche Episode der Musikgeschichte. Es ist auch ein Dilemma...
