Vergiftete Lieder
In Wien waren die Grenzen zwischen Kunst- und Unterhaltungsmusik seit jeher durchlässig. Wolfgang Amadeus Mozart beispielsweise musste als «k. und k. Kammer-Kompositeur» Tänze für die Karnevalsbälle in den Redoutensälen der Hofburg liefern; er tat es mit derselben verschwenderischen Sorgfalt, wie wir sie aus seinen größeren Instrumentalwerken kennen. Auch der junge Beethoven ließ es sich in seinem ersten Wiener Jahrzehnt nicht nehmen, Ländler und Deutsche Tänze zu schreiben, Gebrauchsmusik also.
Bei den Schubertiaden wurde nicht nur gesungen, sondern auch getanzt – Schuberts schier unerschöpfliche Fülle an Tänzen fürs Klavier ist zugleich große Kunst und Hausmusik im besten Sinne. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts trennten sich die Sphären. Brahms’ Walzer waren für den Konzert-, die der Strauß-Dynastie für den Ballsaal bestimmt.
Ein Austausch, eine gegenseitige Befruchtung fand aber nach wie vor statt. Brahms war ein großer Johann-Strauß-Bewunderer, und auch die Komponisten der Zweiten Wiener Schule wuchsen in dieser Atmosphäre auf. Der junge Schönberg erwarb seine ersten Sporen in Tanzkapellen, instrumentierte Operetten und komponierte 1901/02 Kabarett-Lieder für Ernst von ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 48
von Uwe Schweikert
Am 22. Juli brach der Dirigent Stefan Soltesz während einer Vorstellung von Richard Strauss’ Oper »Die schweigsame Frau» im Orchestergraben des Münchner Nationaltheaters zusammen und starb wenig später. Er wurde 73 Jahre alt. Am selben Ort, fast auf den Tag genau vor 54 Jahren (am 20. Juli 1968), stürzte der Dirigent Joseph Keilberth bei einer Festspielaufführung...
Herzog Blaubarts Burg
Die Frau, der Mann: Was soll man meckern?
Er alt, sie jung, er: sehr allein.
Die Burg: sehr kalt, es zieht herein.
Doch sie, sie meint: «Auf deinen Äckern
Zieh’n wir nun hin, lass uns jetzt spüren,
Was Liebe kann – und wie sie geht!»
Er sagt: «Okay!», sie wird konkret:
«Zeig mir, mein Schatz, nun alle Türen!»
Tür eins bis vier: nur Sadumuso.
...
Die berühmten Arkaden der Felsenreitschule sind verschwunden. «Ihr sucht die Bühne?», fragt die Sprecherin des (sonst meist gestrichenen) Prologs. «Wo ist sie aufgeschlagen? In dir? In mir?» In den Wassern des Unbewussten wohl am ehesten liegt «Herzog Blaubarts Burg» bei Romeo Castellucci, nachdem der schwere schwarze Vorhang zur Eröffnungspremiere der Salzburger...
