Der junge Mann und das Meer: Lance Ryan (Tannhäuser) in Wiesbaden; Foto: Monika Forster

Verdrängte Lüste

Wagner: Tannhäuser
Wiesbaden | Staatstheater

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In István Szabós Film «Zauber der Venus» (1991) mit der großartigen Glenn Close geht es um eine spektakuläre Pariser «Tannhäuser»-Premiere mit den obligaten erotischen Verstrickungen, Künstlerhybris und dem Wahnsinn des Glamour-Kunstbetriebs: All das wird im Zeichen der «Großen romantischen Oper» satirisch huldigend vergegenwärtigt. Der Künstler zwischen Himmel und Hölle, Charisma und Provokation, Genie und Konvention, Lust und Moral trägt die Stigmata des Outcasts, dem weder auf Erden noch andernorts zu helfen ist.

Tannhäuser ist der radikale Utopist, der sich nicht verbiegen lässt, der im entscheidenden Moment nicht die Klappe halten kann, sondern das jeweils Fehlende rabiat benennt: dem Sex satt so wenig genügt, wie ihn die Keuschheitsheuchelei der Ritter anwidert. Er bleibt der Mann der Extreme, für die er bewusst einsteht. Darin ist gerade er der integerste «Held» Wagners.

Für diesen war er denn auch, als Figur wie Werk, ein Dilemma. Die konträren Fassungen (Dresden, Paris) zeugen davon, ebenso der Pilgerchorschluss im pompösen Es-Dur. Wenn Wagner 1883 fand, «er sei der Welt noch den ‹Tannhäuser› schuldig», markierte er eine nicht nur ästhetische Wunde: Stehen die Doppeltode ...

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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard R. Koch

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