Verblüffend plausibel

Verdi: La traviata NÜRNBERG | STAATSTHEATER

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Zwei, drei Cocktails zu viel, dazu womöglich ein paar eingeworfene Pillen – die Grenze zur Willenlosigkeit ist längst überschritten. Und dann die Vergewaltigung im Nebenzimmer: geile Böcke, die das auch noch filmen, ins Netz stellen; die Kommentarspalte läuft voll mit Widerlichem. Das Internet vergisst nichts, auch Violetta ist auf ewig traumatisiert. Eine Möglichkeit von Liebe, auch Körperlichkeit glimmt erst Jahre später auf in der Begegnung mit Alfredo. Auf dem Höhepunkt des ersten Duetts riskiert sie einen Kuss.

Doch das Vergewaltigungs-Video wird auch von der Familie Germont registriert. Alles vergebens also – Violetta schneidet sich den Hals auf. Im letzten Bild tritt sie singend aus ihrem Körper, der überforderte Alfredo und die Freunde barmen am Klinikbett, in dem eine komatöse Frau liegt.

Auch so kann man Verdis «La traviata» aufrollen. In der Nacherzählung wirkt das wie eine stereotype Modernisierung. Doch tatsächlich stößt Regisseurin Ilaria Lanzino am Staatstheater Nürnberg zum Kern der Tragödie vor, die zur Uraufführungszeit das Publikum verstörte. Brandmarkung, gesellschaftliche Ächtung, schonungsloser Realismus, dafür findet sie eine szenische Übersetzung ins Heute, ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Markus Thiel

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