Varieté sans vérité
In seiner Begrüßungsrede versprach Barrie Kosky dem Publikum «zweieinhalb Stunden vollkommenen Blödsinns» – womit seine Inszenierung beinahe erschöpfend umschrieben ist. General Bumm und die adligen Kretins am Gerolsteiner Hof turnen im kugelrunden Distanzdress über die leere Bühne, die Slapsticks sind auch nicht durchweg haute couture, sondern oft von der Stange, und die Großherzogin ist eine Travestie-Diva und schnackt Norwegisch.
Na schön, vergnügen wir uns halt auf dem Niveau, so gut es geht in diesen traurigen Theatertagen.
Hochstapelei und Tiefenschwindel gibt es ja genug auf deutschen Bühnen; Kosky hält wieder einmal sein populäres Gegengift bereit: Queerness und Gender Comedy, bodenlosen Leichtsinn, gedankenloses Gekicher. Alles gut gemacht, sensationell gut, wenn man es zum ersten Mal erlebt. Auf die Dauer aber wird seine Regiesprache zur Marotte. Und die Dauer kann kurz sein, der Überdruss stellt sich ziemlich schnell binnen eines Stückes ein. Und führt dann unvermeidlich zur Frage: ist das schon alles? Ist die Operette wirklich so platt?
Nein, platt ist sie nur in ihrer Varieté-Version. Es braucht schon einen begnadeten Buffo wie Tom Erik Lie, um die Degradierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Volker Tarnow
alpha
25./26.12. – 11.00 Uhr
Bach: Weihnachtsoartorium
Herkulessaal der Münchner Residenz, 2010
Konzert mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Peter Dijkstra.
S: Harnisch, Vondung, Schmitt, Immler
arte
04.12. – 05.00 Uhr
Jacques Offenbach in Köln
Philharmonie Köln, 2012
Konzert mit Auszügen aus...
Seltsam, diese patinierte Eleganz. Diese Zuflucht in ein behaustes «Es war einmal», in eine fragile Idylle, auf die durchaus Schatten fallen, die aber doch glänzt wie das Licht biedermeierlicher Veduten. Das beginnt mit der Aufmachung, dem Weichzeichner-Porträt der Solistin auf dem Cover, Reminiszenz an die Foto-Medaillon-Kultur des späten 19. und frühen 20....
Kein Mond, nirgends. Das Universum ist schwarz. Und doch schwebt das ferne, dabei so nahe menschengesichtsgleiche Gestirn über allem, was die Muse dem Dichter eingab, was sein Gefühl durchflutet. Immer wieder ruft Pierrot, fantastische Gestalt im Weltinnenraum, diesen nächtig todeskranken Planeten an, der da auf des «Himmels schwarzem Pfühl» wohnt und dessen Blick,...
