Väter und Söhne

Honegger/Ibert: L’Aiglon am Staatstheater Mainz

Opernwelt - Logo

Die Welt ist voller Kinder übermächtiger Eltern, aber die Söhne von Goethe oder Napoleon waren väterlicherseits mit einem Format konfrontiert, das ein normales Leben praktisch unmöglich machte. Napoleon Franz Bonaparte, einziger ehelich geborener männlicher Nachkomme des französischen Kaisers und seiner österreichischen Frau Marie-Louise, lebte nach dessen endgültigem Sturz zudem unter unerquicklichen Umständen am Wiener Hof. Mit nur 21 Jahren starb er.

Eine traurige, aber auch wirkungsvolle Geschichte, wie weiland «Cyrano de Bergerac»-Autor Edmond Rostand erkannte.

Zu seinem Drama «L’Aiglon» plante Henri Cain ein Libretto, das er sowohl Arthur Honegger als auch dessen Kom -ponistenkollegen Jacques Ibert angeboten haben soll. Die beiden entschlossen sich daraufhin zur vierhändigen Arbeit. Wer welchen Anteil an dem 1937 uraufgeführten Drame musical hatte, ließen sie offen, bis heute wird gerätselt. Brüche machen sich am Staatstheater Mainz jedenfalls nicht bemerkbar, wo Generalmusikdirektor Hermann Bäumer und Regisseurin Luise Kautz dieser Rarität zuneigungsvoll Leben einhauchen.

Die musikalische Seite, mehr markant als süffig, bietet eher Konversationston als große Gesangslinien. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Judith von Sternburg

Weitere Beiträge
Was bedeutet «Modern»?

Der Züricher Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken hat im vergangenen Jahrzehnt mehrere wichtige Monographien vorgelegt – zu Mozart, Richard Strauss, zur Musik der Renaissance und, unter dem Titel «Der verborgene Sinn», eine gleichermaßen originelle wie bedeutende Studie über «Verhüllung und Enthüllung in der Musik». Um das, was uns die Musik zu bedeuten hat und...

Frizzante

Die Feststellung, dass Spiritualität vereint, Religion hingegen trennt, gilt nicht erst seit den verheerenden Attentaten religiöser Fanatiker in unserer Zeit. Schon immer fanden sich Konfessionen politisch missbraucht, wurden sie im Sinne von Machtgewinn und -erhaltung bewirtschaftet. Ob freilich Oliver Cromwell (1599–1658) ein Machtpolitiker war, der Gott zu...

Verlorene Illusionen

Dass die in Moskau ansässige «Nowaja Opera» mit Samuel Barbers «Vanessa» ein Werk aus einem, laut offizieller Einschätzung «unfreundlichen Land» auf ihren Spielplan setzt, ohne sich für dessen offenkundig boulevardesken Charakter zu schämen, unterstreicht erneut die radikale Entschlossenheit der Direk -tion zu einem «unkonventionellen Verhalten». Sämtliche Bühnen...