Utopisches Liebesglück
Kann man die Langeweile von dort verbannen, wo sie geboren wurde? Der Parnass war ihre Wiege» – das lässt Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Librettist den Gott der Schmähsucht, Momus, gleich im ersten Akt des «Carnaval du Parnasse» fragen. Und damit ist der Startschuss gefallen für einen tollen, die Langeweile vertreibenden Wirbel, in den Götter und Musen in diesem komischen Ballet héroïque getrieben werden.
Es sollte Rameaus ein halbes Jahr zuvor in Paris gegebenem Ballet bouffon «Platée» den Rang ablaufen – eine pièce bien faite des höchst versatilen Louis Fuzelier, der als Entrepreneur auch auf den Jahrmärkten zuhause war und dort mit komischen Stücken wie etwa «Arlequin Enée ou La Prise de Troie» reüssiert hatte. Fuzelier lieferte, im Gegensatz zum zusammengebastelten Libretto der «Platée» mit seinen groben Witzen, eine elegante, souverän mit Sprachhöhen spielende Vorlage für die sinnlich-flüssige Musik einer neuen Generation, deren souveränster Vertreter Mondonville war. Komik entsteht hier nicht aus der bisweilen derben Karikatur, sondern aus der Konfrontation souverän beherrschter Stil-Lagen. Wie in einer Tragédie lyrique beginnt der erste Akt mit Momos’ pathetischer ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Klaus Heinrich Kohrs
Große Stimme
Ihren Durchbruch feierte sie 2008 als liebende Kriegerin in Othmar Schoecks «Penthesilea». Seither eilt Tanja Ariane Baumgartner von Erfolg zu Erfolg und gilt inzwischen völlig zu Recht als einer der führenden Mezzosoprane unserer Zeit. Darstellerische Klugheit verbindet sich dabei mit einer warmtönenden und facettenreichen Stimme. Ihre Spezialität...
Als sich die antiken Götter und Gestalten zur Ruhe setzten oder, wie man es von prominenten Fußballern kennt, nur noch für eine kabarettistische Spätkarriere taugten, als auch Germanen und romantische Märchenfiguren ihren dramaturgischen Lebensgeist ausgehaucht hatten, da leitete das Bürgertum abermals eine neue Opern-Ära ein. Es genügte nicht mehr, für das...
Man könnte denken, diese Oper sei soeben erst in Moskau geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden, um den in Russland stark verbreiteten Denunziationen zu entgehen. Denn der in Einsamkeit regierende Herrscher, der sich in Viktor Ullmanns «Kaiser von Atlantis» für eine Weile «zum besseren Regieren» zurückgezogen hat, das ist im Grunde Russland. Und der «Krieg...
