Urtext in Hightech

Puccini: Tosca
MAILAND | TEATRO ALLA SCALA

Opernwelt - Logo

Keine Zeitmaschine diesmal. Regisseur Davide Livermore hat «Tosca» weder ein Update verpasst noch ihre Handlung aus der Altstadt Roms verlegt. Die Kirche Sant’Andrea della Valle, der Palazzo Farnese, das Castel Sant’Angelo – alle in Puccinis Partitur geforderten Postkarten-Schauplätze sind da. In Bildern, die die Hightech-Bühnenmaschinerie an der Scala auf Trab halten.

Riesige Mauern schieben sich ineinander, Treppen bersten, Fresken werden zu tableaux vivants; das unterirdische Verlies, in dem Cavaradossi gefoltert wird, fährt auf die Ebene von Scarpias Büro hoch, um mit ein wenig Blut die Nerven zu kitzeln; und ein schwirrender Bronzeflügel des Erzengels Michael gibt eine Art himmlischen Fonds. Der kinematografische Surrealismus kommt beim Publikum gut an, auf der Strecke bleiben darüber die Besonderheiten der musikalischen Umsetzung.

Kaum Beachtung fand etwa, dass hier eine Urtext-Ausgabe der Partitur zum Einsatz kam, die auf Roger Parkers kritischer Ricordi-Edition basiert. Nach der (rekonstruierten) Originalfassung von «Madama Butterfly» (2016) stellte Riccardo Chailly nun eine «Tosca» vor, in der die von Puccini zwei Monate nach der Uraufführung gesetzten Striche wieder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Carlo Vitali

Weitere Beiträge
Kontinuität und Innovation

Ungewöhnliche Spielstätten wie die High Line, Manhattans hippester Parkstreifen, oder Clubs in Brooklyn. Als Hauptbühne die feine, 200 Plätze bietende Theater-Black-Box des Baruch Colleges: In nur fünf Jahren hat sich die Heartbeat Opera zur ehrgeizigsten freien Operntruppe New Yorks entwickelt. Gegründet wurde sie 2014 von dem aus Washington D.C. stammenden...

Zeitlos wertvoll

Dass die Archive der BBC noch viele vergessene Schätze bergen, erweist sich ein weiteres Mal mit der Veröffentlichung von Aufnahmen der Weber’schen «Euryanthe» (1955) und Mozarts «Le nozze di Figaro» (1961). Die Aufzeichnung von Carl Maria von Webers romantischer Oper – der Musik wegen heiß geliebt, des abstrusen Librettos wegen kaum auf der Bühne zu erleben – war...

Die Kunst und das Böse

Ein Schuss in völliger Dunkelheit. Ein Aufschrei. Knall auf Fall sieht sich das Publikum in die Gegenwart verabschiedet, die sich prinzipiell nicht unterscheidet von dem Geschehen auf der Bühne. Auf der Place de Neuve wirkt zwar alles friedlich. Aber etwas weiter weg könnte man sich ein Theater, wie Heike Scheele es auf die Bühne des Grand Théâtre gebaut hat,...