Urtext in Hightech
Keine Zeitmaschine diesmal. Regisseur Davide Livermore hat «Tosca» weder ein Update verpasst noch ihre Handlung aus der Altstadt Roms verlegt. Die Kirche Sant’Andrea della Valle, der Palazzo Farnese, das Castel Sant’Angelo – alle in Puccinis Partitur geforderten Postkarten-Schauplätze sind da. In Bildern, die die Hightech-Bühnenmaschinerie an der Scala auf Trab halten.
Riesige Mauern schieben sich ineinander, Treppen bersten, Fresken werden zu tableaux vivants; das unterirdische Verlies, in dem Cavaradossi gefoltert wird, fährt auf die Ebene von Scarpias Büro hoch, um mit ein wenig Blut die Nerven zu kitzeln; und ein schwirrender Bronzeflügel des Erzengels Michael gibt eine Art himmlischen Fonds. Der kinematografische Surrealismus kommt beim Publikum gut an, auf der Strecke bleiben darüber die Besonderheiten der musikalischen Umsetzung.
Kaum Beachtung fand etwa, dass hier eine Urtext-Ausgabe der Partitur zum Einsatz kam, die auf Roger Parkers kritischer Ricordi-Edition basiert. Nach der (rekonstruierten) Originalfassung von «Madama Butterfly» (2016) stellte Riccardo Chailly nun eine «Tosca» vor, in der die von Puccini zwei Monate nach der Uraufführung gesetzten Striche wieder ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Carlo Vitali
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