Foto: Monika Rittershaus
Untrennbar abgewandt
Zwei Knaben in Kniehosen jagen durchs Schilf. Erklimmen einen Baum, balancieren durchs sumpfige Gelände. In dem Film, mit dem Claus Guth seine «Clemenza»-Inszenierung angereichert hat, erkennen wir das linke Ufer von Glyndebournes Seerosenteich samt den dahinterliegenden Hügeln – und in den Jungs Tito und Sesto. Ihre Kindheitsfreundschaft, die Sesto nach dem gescheiterten Anschlag auf Tito mit seinem Rondo beschwört («Te ricorda il primo amor»), ist für Guth der Schlüssel zu Mozarts Seria.
Freiheit, Wildheit, Abenteuer: Dazu gehört, das macht das Video deutlich, auch die Lust an Gewalt. Wir sehen eine Schleuder, die gespannt wird; eine Flasche, die zerspringt; eine tote Elster mit Blutfleck auf dem Brustgefieder. Das kindische Entsetzen über die Folgen des gedankenlos begangenen Tiermordes gleicht der des erwachsenen Sesto nach seiner Liebesuntat. Trotzdem bleibt das Band zwischen den Knaben das Maß, an dem Tito sein Kaiserleben misst – eine Existenz, die ihn zwingt, sich jeden persönlichen Wunsch zu versagen. Wie die Bilanz ausfällt, wird an der von Guths Langzeitpartner Christian Schmidt entworfenen Behausung deutlich. Der Kaiser bewohnt einen schwarzen Bungalow im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 34
von Wiebke Roloff
Drei Mozart-Opern hat der Verein «Zuflucht Kultur» seit 2014 auf die Bühne gebracht. Mit Profis aus Deutschland – und Flüchtlingen aus Syrien, Nigeria, Afghanistan sowie vier weiteren Ländern. «Bei uns», sagt die Sängerin Cornelia Lanz, «wird Mozarts Musik von Monologen und internationalen Klängen unterbrochen. Wir bauen arabische Melismen ein oder ein afghanisches...
Ich bin neulich beim Zappen in den Anfangsszenen irgendeines neuen «Don Giovanni» gelandet. Lang blieb ich nicht dabei, weil der Titelheld von einem dieser überfitten Baritone gesungen wurde – ich hatte einfach keine Lust darauf zu warten, dass er sich das Hemd vom Leib reißt. Don Giovanni hab ich mir nie eitel vorgestellt. Wenn man rund um die Uhr damit...
Wer die Musiktheaterszene im Vereinigten Königreich verfolgt, weiß, dass zumindest ein Zweig der Branche kräftig austreibt: die «country house opera». Glyndebourne, das 1934 den Anfang machte, gibt bis heute den Ton an. Aber seit 1989 Garsington nachzog, haben allerhand andere Kompanien das Modell kopiert.
Dazu gehört auch die Grange Park Opera im Hampshire. Das...
