Blutrache
Man kennt es: Ein Film läuft, das traurige Ende ist bekannt. Dennoch ist da die widersinnige Hoffnung, das Blatt werde sich noch wenden. Ganz ähnlich verhielt es sich bei der «Troubadour»-Premiere der Domstufen-Festspiele in Erfurt. Schon die Prognosen waren mäßig. Das Wetterradar zeigte riesige Regenwolken, von Süden herannahend. Die Theaterleitung hatte für den Fall, dass das Wasser wirklich kommt, verschiedene Szenarien vorbereitet – Teile von Verdis Werk herauszustreichen oder die Vorstellung konzertant stattfinden zu lassen.
Die Möglichkeit, ins nahe Theater umzuziehen, bestand nicht. 2000 Plätze gibt es auf dem Domplatz, 800 im Theater.
Schon zu Beginn sitzen die Zuschauer auf der langen, hochgezogenen Tribüne unter tiefhängender Wolkendecke. Aber das interessiert, richten sich die Augen nach vorne, kaum mehr – zu gewaltig ist die Kulisse des Doms. Von Menschenhand gebaut, um Menschen Ehrfurcht zu lehren. Das Bühnenbild von Hank Irwin Kittel wächst aus dem Kirchenbau geradezu heraus. Ein Aquädukt, scheinbar aus demselben Sandstein, zieht sich vom ersten Absatz der Domstufen hinüber zum großen, aus Holz gezimmerten Spielplateau unter dem Hohen Chor des Doms. Das Orchester ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Nora Sophie Kienast
In diesem Jahr hätte der berühmte Gesangslehrer Rodolfo Celletti, einer der geistigen Väter von Martina Franca, seinen hundertsten Geburtstag gefeiert: Deshalb war die 43. Runde des Festivals im sonnigen Apulien seinem Andenken gewidmet – der nach Celletti benannte Preis ging an den mexikanischen Tenor Ramón Vargas. Zwar nahm sich das Programm in den letzten Jahren...
Götz Friedrich war fassungslos. Nein, das könne doch nicht wahr sein. Das sei eine Falschmeldung. Catarina Ligendza habe mit dem Singen aufgehört? So plötzlich? Mitten heraus aus den größten Erfolgen ihrer Laufbahn? Der mächtige Intendant und Regisseur, damals ebenfalls auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, wusste genau, was das bedeutete – für seine «Ring»-Produktion...
Auch im Bereich des Musiktheaters haben die Feiern zu 100 Jahren Unabhängigkeit in Finnland ihren Niederschlag gefunden. Thematisch passend, gab es beim Opernsommer in Kokkola die finnische Erstaufführung von Giacomo Meyerbeers «L’étoile du nord» (Der Nordstern). Die Sopranistin Anu Komsi, Leiterin der Kompanie, war durch Veijo Murtomäki, Professor für...
