Unterwerfung

Dietrich W. Hilsdorf inszeniert Aribert Reimanns Oper «Bernarda Albas Haus» in Gelsenkirchen mit peinigender Intensität als ausweglose Frauentragödie

Opernwelt - Logo

Als Frau auf die Welt zu kommen sei «die größte Strafe», sagt Amelia in Federico García Lorcas Schauspiel «Bernarda Albas Haus». Es ist die letzte unter den großen Frauentragödien des 1936 von den Faschisten ermordeten spanischen Dichters, die sämtlich von der Unterdrückung weiblicher Sexualität, von der verwehrten Erfüllung weiblicher Liebe in einer archaischen Umwelt handeln.

Nach dem Tod ihres Ehemanns ordnet Bernarda Alba, der Tradition gemäß, eine achtjährige Trauerzeit an, verschließt ihr Haus und wacht mit gnadenloser Strenge über ihre fünf erwachsenen Töchter, unter denen ein erbarmungsloser, von Eifersucht erfüllter Kampf um Pepe el Romano, den Verlobten der Ältesten, ausbricht. Adela, die Jüngste, widersetzt sich der Mutter, trifft Pepe heimlich, gibt sich ihm hin und erhängt sich, als die hasserfüllte Martirio – «sie tausendfach Glückliche, dass sie ihn hat haben können» – sie verrät. «Schweigen» ist das letzte Wort Bernardas, die die Schande unter den Teppich kehrt und damit die verinnerlichten Machtstrukturen des Patriarchats zementiert.

Aribert Reimann hat die Familientragödie, in der nur Frauen auftreten (der Mann, der den Konflikt auslöst, bleibt unsichtbar), ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Verlorene Illusionen

Frische, der Duft der Rose, die Stimme der Nachtigall, der Flügelschlag des Schmetterlings – das seien die Qualitäten von Jules Massenets Musik, schreibt Camille Saint-Saëns nicht ohne subtile Ranküne über die im Dezember 1881 im Brüsseler Théâtre de la Monnaie uraufgeführte «Hérodiade» seines Konkurrenten um die Gunst des Belle-Époque-Publikums. Der schmachtende,...

Meister und Margarita

Unter ihrem neuen Künstlerischen Leiter Yuval Sharon hat die Detroit Opera nicht nur ihre künstlerischen Ambitionen hochgeschraubt, sondern auch den Horizont in Sachen Inklusivität erweitert: Die Inszenierung von Osvaldo Golijovs «Ainadamar» («Der Brunnen der Tränen») war die erste spanischsprachige Produktion des Hauses – und das vor einem auffällig diversen...

Der Weg ins Freie

Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...