Unterhaltsam gebildet
Person und Werk möglichst strikt voneinander zu trennen gehört für den Rezipienten bei Richard Wagner zu den wichtigsten Überlebensstrategien. Bei manchem seiner Exegeten empfiehlt sich eine ähnliche Trennung, bei Stefan Mickisch zum Beispiel, der fünfzehn Jahre lang bei den Bayreuther Festspielen Einführungsvorträge veranstaltete – zunächst auf offizieller Seite, später, nach Streitigkeiten mit dem örtlichen Richard-Wagner-Verband in Eigenregie. Mickisch konnte sich das leisten, seine Fangemeinde war groß und ist es auch noch nach seinem plötzlichen Tod vor fünf Jahren.
Was der gebürtige Oberpfälzer bot, war unterhaltende Bildung auf hohem Niveau. Als stark veranlagter Pianist war er imstande, Wagners Musik auch auf dem Flügel eindrückliche Präsenz zu verschaffen, als Universalgebildeter, als nicht nur in Sachen Wagner beschlagener Bücher- und Notenfresser konnte er analysieren und Querverbindungen ziehen wie wenige andere. Das alles garniert mit einem Sinn für populäre Pointen, für kalkulierte Stilbrüche und überraschende, oft gewagte Theorien. Ob es hilfreich ist, die Tonarten des Quintenzirkels mit den Tierkreiszeichen zusammenzudenken? Oder auf Denkbilder «unserer germanischen ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 89
von Clemens Haustein
Während sich allerorten die Häuser und Festivals anlässlich des 100. Geburtstags um szenische Produktionen von Opern aus der Feder von Hans Werner Henze drücken, wird der Jubilar bei der Münchener Biennale gefeiert – und zwar in Form eines Stücks, dass mühelos Zeiten, Orte sowie Musikstile vermengt und überwindet. Geschrieben hat es der thailändische Komponist...
Ein Trauerspiel ist’s. Aber keines in fünf Akten, wie gewöhnlich, sondern eines, das sich über fast sieben (nicht gar so gute) Jahre hinwegzieht und aus rund 70 Briefen und Telegrammen besteht. Die Protagonisten sind der Hofoperndirektor Gustav Mahler und ein Sänger, genauer: ein Tenor. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an. Tenöre können Götter sein, wenn...
Die Spezialdisziplin des Regisseurs Volker Lösch besteht darin, Opernstoffe für politische Aussagen umzufunktionieren. Nach Beethovens «Fidelio» und der Kurdenproblematik sowie Weills «Mahagonny» mit der Flutkatastrophe im Ahrtal ging es beim «Freischütz», seiner dritten Bonner Operninszenierung, um den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg einer rechtsextremen Partei....
