Unter Druck
Das kann sich nur ein Opernhaus mit einem richtig guten Chor leisten: die Sänger in Parkett und Rängen unters Publikum zu mischen, ohne dass homogener Sound und differenzierte Musikalität verloren gehen. Auf William Spauldings exzellente Truppe an der Deutschen Oper ist da Verlass. Die Chöre in Verdis «Aida», von der Saalmitte aus gehört – in Benedikt von Peters Neuinszenierung werden sie zu einer überwältigenden Erfahrung.
Den Zuschauer macht von Peter dabei zum stummen Mitglied des Ägyptervolks und Teil der Zange, die sich um die Hauptfiguren schließt.
Von der Bühne her drängt das Orchester unter Andrea Battistoni, vorn äugen Publikum und Chor, so dass Radames, Amneris und Aida auf dem überbauten Graben praktisch umzingelt sind. Hier kollidieren private Sehnsüchte und äußere Erwartungen. Unter Druck gesetzt wird vor allem einer: Radames, der in einer zermürbenden Beziehung zu Amneris feststeckt. Sie sieht sich selbst schon als First Lady und hält ihm stullenschmierend den Rücken frei für die Karriere (resolut: Anna Smirnova). Leider fantasiert er – Alfred Kim gibt den Antihelden mit Pulli und Brille – über seinen Atlanten nicht bloß von Feldzügen, sondern auch von der exotischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff
ARD-ALPHA
3.1. – 11.00 Uhr
Die Tonangeber.
Beobachtungen beim 64. Internationalen ARD-Musikwettbewerb.
6.1. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Dvorák: Aus der Neuen Welt. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
6.1. – 20.15 Uhr
Händel: Messiah.
B'Rock – Belgian Baroque Orchestra Ghent, Chor des Bayerischen Rundfunks, Peter Dijkstra. Solisten: Julia Doyle, Lawrence...
Der Mensch neigt bekanntlich dazu, das Glas als halbleer zu betrachten. Er sehnt sich nach dem, was er nicht hat, nicht haben kann und vielleicht auch niemals haben wird. Opernfreunden geht es da nicht anders. Sie trauern um die vielen verlorenen Werke aus der frühen Zeit des Musiktheaters, ganz besonders um die aus der Feder Claudio Monteverdis. Dabei weiß gerade...
Mit diesem Stück fing alles an: «My Fair Lady» war der erste echte Musical-Erfolg in Deutschland. Eine Kulturnation, die traditionell zwischen der «ernsten», also der wertvollen, und der «unterhaltsamen», also zweitklassigen, Kunst unterscheidet, musste fast zwangsläufig mit dem aus Übersee importierten Genre fremdeln. Doch Frederick Loewes Stück spielt in...
