Unter dem Vulkan
Wenige Regisseure haben Wagners Tetralogie gleich zweimal inszeniert. Götz Friedrich beispielsweise legte einen «Ring» für Covent Garden und einen weiteren für die Deutsche Oper Berlin vor. Am Royal Opera House startete nun mit dem «Rheingold» die neue Lesart von Barrie Kosky, der den «Ring» ab 2009 schon in Hannover inszenierung hatte.
Noch vor Beginn des Es-Dur-Vorspiels schlurft eine spindeldürre Greisin auf die Bühne.
Mit kleinen Schritten bewegt sich diese Frau, die Wotan später mütterlich umarmen wird, hin zu einem Punkt, an dem ein kleines, drehbares Modul eingelassen ist, wo wir bereits zu diesem Zeitpunkt die Urmutter Erda sehen, deren Stimme (Wiebke Lehmkuhl) später berührend und sehr nachdenklich von der Bühnenseite hineinklingt. Bevor die stumm-greise Erda ihre Position auf der Drehscheibe einnimmt, von der aus sie gedanklich in den «Ring» hineinmanövriert wird, schlägt sie ihre Hände erst auf, so als wolle sie in einem Märchenbuch lesen, und dann vors Gesicht. Denn diese Geschichte ist zwar grotesk und märchenhaft, aber auch voller Gewalt.
Rhein-Wasser sieht man im Folgenden nicht. Dafür aber eine riesige, mit vielen Löchern versehene (offenbar am Ende einer gedachten ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Arno Lücker
Salome, schönste Blume des Morgenlands? Nein, falsches Stück, falsches Genre. «Die alte Hur’ is net umzubringen», soll Robert Stolz über seinen (nach der Prinzessin benannten) «orientalischen Foxtrott» gesagt haben. In der Volksoper Wien aber steht nicht etwa irgendeine Stolz’sche «Salome»-Revue auf dem Programm, sondern Strauss’ seinerzeit skandalös-monströser...
Das Bild besaß Symbolcharakter: Während der Ouvertüre zu Richard Wagners romantischer Oper «Lohengrin», die im Graben des Hessischen Staatstheaters bei der (szenisch leider völlig missglückten) Premiere ohnehin eher nach Verkrampfung als nach Verklärung klang, klemmte es irgendwo in der Soffitte und blieb das riesige schwarze Stofftuch zwischen Himmel und Erde...
Märchen oder nicht, das ist hier wohl kaum die Frage. Natürlich ist Leoš Janáčeks am 6. November 1924 im Nationaltheater Brünn (heute Brno) uraufgeführte Oper «Příhody lišky Bystroušky», die im Deutschen unter dem nicht eben elegant übersetzten Titel «Das schlaue Füchslein» auf die Bühnen gelangt, ein solches; ein Sommernachtstraum à la Shakespeare (nur mit...
