In Schuberts Welt

Samuel Hasselhorn und Ammiel Bushakevitz radikalisieren die «Schöne Müllerin», Matthias Goerne singt sich einfühlsam durch zahlreiche Lieder des Komponisten

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Wer je auf dem Gipfel eines Dreitausenders (also eines auch für Normalsterbliche mit geeignetem Schuhwerk erklimmbaren Berges) gestanden und den herrlichen Blick von dort oben genossen hat, der weiß, dass das Wandern nicht nur des Müllers Lust ist, sondern eine enorme Bereicherung darstellen kann. Im besten Fall muss der Nachfahre von Wilhelm Müllers traurigem Gesellen dabei ja auch nicht zwingend nach einer entfernten Geliebten suchen; die Natur selbst genügt vollkommen, um den seltenen Hauch grenzenloser Freiheit zu spüren.

In den Gedichten Müllers und in Schuberts Vertonung der Verse herrscht hingegen recht bald Verdruss. Wie dieses Umkippen von naiver Freude in tiefe Besorgnis mit Worten und Tönen auszudrücken sei, das haben erst kürzlich Konstantin Krimmel und Daniel Heide in ihrer nachgerade phänomenalen Interpretation der «Schönen Müllerin» unter Beweis gestellt. Die Aufnahme zeigt uns den Wanderer als verwundbare Seele, die aber ihre Einritzungen nicht schon im ersten Lied dieses einzigartigen Zyklus offenbart; erst nach und nach wird die Zwiebel gehäutet und zeigen sich die blutigen Risse im Inneren des Protagonisten. Die hohe Kunst des Baritons und seines famosen ...

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Opernwelt November 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Jürgen Otten

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