Ungemütlich
Das Leben auf einer Bohrinsel ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Zur körperlichen Schwerstarbeit kommt das Gefühl völliger Isolation, gegen das anzukämpfen hat, wer monatelang auf einem Stahlungetüm mitten im Meer von Freunden und Familie getrennt ist. Noch ungemütlicher freilich wird es, wenn dort ein raffgieriger Tyrann das Sagen hat. Barbora Horáková lässt Wagners «Fliegenden Holländer» im Deutschen Nationaltheater Weimar an einem Ort spielen, wo Empathie keinen Platz hat.
Zur Ouvertüre läuft ein Video, in dem die Kamera über sattgrüne Wiesenlandschaften fährt; ein Naturidyll, gegen das historische Aufnahmen von Ölbohrungen geschnitten werden: Friedlich war es einst an diesem Küstenstreifen, bis der Mensch sich auf die Suche nach Erdöl begab. Die Mitte der Bühne (Ines Nadler) ist mit Wasser geflutet und wird von vier Metallgerüsttürmen gerahmt. Etwas Neonlicht erhellt die düstere Szenerie, ein auf hohen Stützen stehender Container dient als Rückzugsraum.
Die Herren des Chores (Opernchor des DNT und Extrachor aus Studierenden der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar), allesamt in oranger Arbeitsbekleidung, zerren ein Schlauchboot ans Deck der Bohrinsel. Eine eingeschworene ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Werner Kopfmüller
Und kein Traum ist völlig Traum», so heißt es doppeldeutig in Arthur Schnitzlers «Traumnovelle». Dieselbe Assoziation stellt sich beim Betrachten des CD-Covers ein, vermittelt über «Eyes Wide Shut», Stanley Kubricks filmischen Schwanengesang auf Schnitzlers Spuren. Denn es zeigt Karine Deshayes und Jérôme Correas mit geschlossenen Augen, als träumten sie Mozarts...
Pergolesis heiteres Intermezzo «La serva padrona» schlug 1752 in Paris wie eine Bombe ein. Die davon ausgelöste «Querelle des bouffons», bei der es um die von Rousseau aufgeworfene Frage ging, ob man die französische Sprache überhaupt vertonen und singen könne, hielt das intellektuelle Paris in Atem. Es blieb einem Italiener, dem aus Parma kommenden Egidio Duni...
Bereits 2018 hatte die Wiener Volksoper ein Buch herausgebracht: «Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt». Die Autorin Marie-Theres Arnbom zeichnet darin das Schicksal all der, zumal jüdischen Künstler nach, die das Haus nach dem «Anschluss» Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 verlassen mussten, festgemacht an der Operette, die auf dem Spielplan stand,...
