Unerbittlich präzise
Zur ohnehin spannungsgeladenen Handlung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» tritt eine reale Ungewissheit hinzu: Riccardo Chailly musste die zweite Vorstellung nach einem plötzlichen Unwohlsein abbrechen. Die dritte Aufführung jedoch leitet er wieder, und das so packend, dass die musikalische Seite den eigentlichen Kern dieser Saisoneröffnung an der Scala bildet. Es ist das letzte Werk, das Chailly als Mailands Musikdirektor verantwortet.
Unter den zehn Eröffnungsproduktionen, die er in dieser Funktion verantwortet hat, erweist sich «Lady Macbeth» als die künstlerisch überzeugendste. Chailly dirigiert die Musik mit analytischer Schärfe und ausgeprägtem dramaturgischen Instinkt. Seine Interpretation vermeidet plakative Effekte und vertraut auf die innere Logik von Schostakowitschs Partitur. Brutale Motorik, grell zugespitzter Sarkasmus und eruptive Klangballungen stehen gleichwertig neben Momenten von beinahe entblößtem Lyrismus. Das Orchester agiert dabei auf einem Niveau, das es fraglos in die internationale Spitzenklasse der Klangkörper einreiht: Streicher von beeindruckender Dichte und Elastizität, Blechbläser mit schneidender Präzision und überwältigender Präsenz – ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Stefano Nardelli
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